Dieser Festivalbericht von der ersten GELSEN METAL ATTACK in der Kaue Gelsenkirchen ist in Zusammenarbeit mit Martin entstanden. Ich kannte die Location noch gar nicht, aber Martin hat seine eigenen Gedanken und Erinnerungen an die Kaue Gelsenkirchen. Hierzu schreibt er:

Vorab sende ich ein Kompliment an die IKM Gelsenkirchen, die diesen Abend zu einem vollen Erfolg hat werden lassen. Sehr gute Organisation und vor allem: „Heavy Metal is back at the Kaue“. Mein letzter Besuch in der Gelsenkirchener Kaue liegt zarte 34 Jahre zurück… und ich kann mich noch dran erinnern: Scanner, die damals noch mit Sänger Shelko aufgetreten sind. Warum ist das wichtig?

Geografisch gesehen ist Gelsenkirchen auf der Heavy Metal Karte nur durch die „Gelsen Metal Alliance“ im Consol zu finden. Da das Consol aber nur knapp 100 Fans Platz bietet, fristet es ein „Underground“ Dasein, was nicht schlecht ist, aber auch nicht dafür sorgt, den Blick nach Gelsenkirchen zu richten. Die Kaue mit Platz für gut 450 Besuchern, ist da ein ganz anderes Kaliber. Gute 350 Besucher feiern das Comeback des Heavy Metals in der Stadt der 1000 Feuer.

Doch vor dem eigentlichen Festivalbericht noch etwas anderes….

Eine unfassbare Tragödie

im Vorfeld trübte die Vorfreude auf das Festival bei allen erheblich. Was war passiert? Kurz vor dem Ereignis verstarb Bassist Ben von der Band DARKNESS überraschend. Die gesamte Ruhrpott-Szene war und ist über alle Maßen schockiert. Niemand kann es fassen oder begreifen. So plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen. Ich habe Ben bei der Pre-Listening-Session vom aktuellen Album im Darkness-Proberaum als sehr sympathischen offenherzigen Menschen kennengelernt. Leider meine einzige Begegnung mit ihm.

Hier überlasse ich Martin das Wort, der Ben besser kannte als ich:

Unter keinem guten Stern stand das erste Festival „Gelsen Metal Attack“. Zuerst lief der Vorverkauf trotz massiver Werbung sehr schleppend, als dieser dann endlich in Schwung kommt, bekommt das Festival mit dem Tod von Darkness Bassist Benjamin Biller, den nächsten Schlag versetzt.
Die Szene ist geschockt. Jeder, der den Basser der Altenessener Thrash Legende DARKNESS kennenlernen durfte, wird bestätigen können, dass Ben ein zu 100% freundlicher, lustiger und sympathischer Mensch war. Umso schwieriger ist es heute, die Balance zu finden. Eins ist von Beginn an sicher: Dieser Event muss stattfinden. Das wäre im Sinne von Ben gewesen, der schon im Vorfeld zu seiner Band sagte: „Ihr müsst euch keine Gedanken um mich machen. Ich werde in jedem Fall die Show in Gelsenkirchen spielen. Und wenn ihr mich danach von der Bühne tragen müsst“. Leider hat Ben es nicht mehr auf die Bühne geschafft. Vielen Fans war es anzumerken, dass sie mit dem Tod von Ben beschäftigt waren, aber: Sie waren sich auch einig, das Ben nicht gewollt hätte, das diese als Party geplante Veranstaltung zu einer Trauerfeier werden sollte.

Ein Dankeschön an Hucky, der uns das Foto von Ben zur Verfügung gestellt hat.

Und damit der Abend nicht zu einer stillen Trauerfeier wird, haben alle versucht, den Schmerz in Energie umzuwandeln. Die ist meinem Eindruck nach jedenfalls gelungen. Sicherlich werden alle mit gemischten Gefühlen zu dem Event gefahren sein, aber trotz der Ohnmacht hat die Gemeinschaft Stärke bewiesen und den Abend zu einem tollen Event werden lassen, der Ben sicherlich gefallen hätte. Bevor der musikalische Abriss in der Kaue startete, gab es zunächst eine Gedenkminute.

Hierzu Martins Beitrag:

Der Abend startet mit einer Ansage von „Tani“ der aus Sicht vieler Besucher, etwas über die Ziellinie geht. Die „Schweigeminute“ für Ben, wurde peinlichst genau per angestarrten Handy eingehalten. Die Ansage an sich ein wenig übermotiviert, was ich aber nicht bewerten möchte, denn der Spagat aus „cooler Moderation“ und einem würdigen Rahmen für den Verlust von Ben Biller zu gestalten, ist schwierig genug. „Der Tani“ versucht das einigermaßen hinzubekommen und das alleine gilt es zu respektieren und zu honorieren.

Nach der Ansage, wird die Bühne freigegeben für pures „Thrashtosterone“ von Corporal Shred aus Essen. Erst 2025 hat die Band ihr aktuelles Album… was? Nein?! Bereits im September 2024 haben die Essener ihr aktuelles Album „Thrashtosterone“ veröffentlicht und mit einer fetten Party im Turock (zusammen mit Eradicator, Frostshock und Smorrah) gefeiert. Die Zeit rennt. Wahnsinn. Martin, Patze, Etzsche und Basti gehen wie eine Rakete nach vorne.

Mit „My Arena“ und dem Titelsong „Thrashtosterone“ ziehen sich Corporal Shred die Fans auf ihre Seite. Einziger negativ Aspekt für die Band und zu dem kann sie gar nichts, ist der Sound in der Halle. Die Kaue in Gelsenkirchen ist kein „well known place for Heavy Metal“ und man merkt dem Soundpersonal an, wie es mit der Technik zu kämpfen hat. Ich vermag die Schuld auch nicht dem Personal geben, sondern eher dem Equipment des Clubs in Zusammenhang mit Ausrichtung und Qualität der Soundanlage. Das alles kann aber nicht drüber hinweg trügen, das Corporal Shred einmal mehr eine wirklich gute Show abliefern.

Beim Sound muss ich Martin leider Recht geben. Das war nicht so dolle und war kaum zu differenzieren. Vor allem bei THE VOID’S EMBRACE war es zu Beginn besonders heftig und der Sound wurde der Qualität der Songs nicht gerecht, wobei die Stimme von Sänger Andy kaum zu hören war. Sehr bedauerlich, wenn man bedenkt, dass die Growls kaum finsterer und unheimlicher klingen könnten. Andy beeindruckte mit seiner unglaublichen Präsenz, indem er seine Rolle als Sänger mit vollem körperlichen Einsatz gelebt hat. Im Zusammenspiel mit seiner optischen Erscheinung und Gestik wurde die Wirkung zusätzlich intensiviert. Wer die Fotos betrachtet, wird sehen, was ich meine. Da kann einem schon mal ein Schauer über den Rücken huschen.

Hier sind Martins Eindrücke von THE VOID’S EMBRACE:

Es folgt eine Umbaupause und eine erneute Ansage von Moderator „Tani“, die schon eine gewisse Komik beinhaltet. Mit The Void´s Embrace kommt Ruhrpotts meiste Death Metal Band auf die Bühne und exakt bei dem Namen der Band, versagt dem Moderator seine Stimme, was er mit einem Lachenund viel Eigenhumor wieder wett macht.

Hatte ich schon bei Corporal Shred gedacht, das der Sound schlecht sei, so wurde das bei The Void’s Embrace noch einmal deutlich getoppt. Sänger Andy ist erstmal gar nicht zuhören, was bei dieser Stimme vollkommen bedauerlich ist. Es dauert gute 3 Songs, bis man erkennen kann, das es zwei Gitarren, einen Bass und auch Gesang auf der Bühne gibt. Aus diesem Grund fällt es mir persönlich wahnsinnig schwer, den neuen Song der Band zu bewerten.

Ab dem vierten Song wird der Sound spürbar besser, allerdings haben einige Leute exakt wegen dem Sound die Halle bereits verlassen, was ich der Band gegenüber mehr als unfair finde. Man merkt The Void´s Embrace an, das sie inzwischen extrem gewachsen sind und auch solche Sounddebakel mit einer starken Performance wettmachen können. Wirken andere Bands vielleicht verunsichert, so wissen The Void´s Embrace genau, wie sie mit solch einer Situation umgehen müssen. Sänger Andy ist und bleibt für mich ein Phänomen. Wie kann man so ein irres Organ haben und optisch perfekt zur Stimme auf der Bühne agieren. Ich kann es kaum erwarten, wenn die Band endlich ein neues Album an den Start bringt.

Auch OLD RUINS ließen sich nicht lumpen und schmetterten ihren zerstörerischen Death Metal mit einer Wucht in die Menge und ich ging eigentlich fest davon aus, dass sie die Moshpit-Rakete zünden würden. Denn die Songs haben auf jeden Fall das Potential dazu. Ich hatte die Jungs 2024 schon einmal im Consol 4 erleben dürfen, als SMORRAH dort ihre Release-Show feierten – und schon damals war klar, dass auch diese Band immer alles gibt, um das Publikum zu entfesseln. Die Fans waren dementsprechend sehr angetan und feierten die Band, doch der Moshpit wurde noch nicht gezündet. Über ein neues Album würde ich mich übrigens auch sehr freuen, denn das letzte Album „Always Heading East“ kam 2023 heraus.

Und dann kamen SMORRAH!

Es ist einfach der Wahnsinn, was für eine unglaublich geile Live-Band SMORRAH sind. 2024 im Consol 4 hatten sie mich schon in den Moshpit getrieben und sie haben es dieses Mal wieder geschafft. Natürlich gehören zu einem Moshpit mehr als eine Person und tatsächlich fühlten sich einige andere ebenfalls animiert und so war ich nach 45 Minuten nassgeschwitzt. Die Jungs von SMORRAH, allen voran Marius sind einfach Rampensäue. Man möge mir also verzeihen, dass ich von SMORRAH fast keine Fotos gemacht habe, aber ich hatte damals im Consol tatsächlich versucht aus dem Moshpit heraus Fotos zu machen, was dazu führte, dass mein Handy irgendwann im hohen Bogen durch den Saal flog. Wie durch ein Wunder, hatte es keinen Schaden davongetragen, aber das Risiko wollte ich nicht noch einmal eingehen.

Und mit der Meinung zur Live-Performance von SMORRAH stehe ich nicht alleine, wenn ich mir die Einschätzung von Martin durchlese:

Die Ansage verpasse ich, da der Abend ein „Who is Who“ der Szene ist und sehr viele Menschen vor Ort sind, die ich kenne und mit denen ich auch gerne ein Wort wechsle. Genau in dieses Wort muss ich Gitarrist Bernemann fallen: „Alter, Smorrah sind auf der Bühne. Will ich unbedingt sehen!“. Eilig hasten wir in die Halle und es fühlt sich so an, als wenn der Headliner auf der Bühne stehen würde. Das ist natürlich Quatsch, denn jede Band wurde heute wie ein Headliner gefeiert und dennoch: Smorrah vermitteln den Eindruck, dass sie die Halle abreissen wollen.

Die Band hat sich nach der Trennung von Basser Kraje zeitweise mit Dennis Kree (The Void´s Embrace) verstärkt und den Posten jetzt dauerhaft mit Spiesi (ex-Kreator, Bonded) besetzt und ganz ehrlich: Es macht den Eindruck, das Spiesi die Band noch einmal einen fetten Schub nach vorne gegeben hat. Sänger Marius ist kurz davor, seine Stimmbänder aus dem Hals herauszubrüllen. Beim Song „Age of Decay“ zeigt sich dann der wahre Charakter des heutigen Events:

Freundschaft!

Dieser freundschaftliche Moment ist auch ein Schnappschuss von Hucky.

Die Gebrüder Krajewski (Old Ruins) zetteln einen Moshpit an, der wie Schmidts Katze abgeht. Sänger/Gitarrist Kraje steht irgendwann beim Refrain auf der Bühne und singt mit Marius gemeinsam. Es klingt so vermessen, da es sich um ein Konzert mit vielen langhaarigen Menschen, die alle böse schwarze T-Shirts anhaben handelt, aber die Message am Abend ist Liebe, Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt!

Die Bands sind alle untereinander befreundet und spielen sich auch gerne Bälle zu, was bedeuten soll: „Einer für alle – alle für einen“. Wir können eine Show nicht spielen, dann fragen wir unsere Buddies von Band X-Y. Genau das, was ich schon immer in der Metal-Szene vermisst habe. Hier in Gelsenkirchen wird das heute Abend gelebt und zelebriert. Einer für alle, alle für einen. So schreibe ich bis hierhin die Zeilen, da mein Mitschreiber „Metalhead“ sich hat anstecken lassen und zu einem fleischgewordenen Pogoklumpen geworden ist, der im Moshpit Körperkontakt sucht und auch findet.

Ehe ich das Zepter abgebe: Für mich die stärkste und beste Show von Smorrah, die ich bisher erleben durfte. Die Band hat noch einiges vor und ich freue mich, dass sie den Sonntag vom Rock Hard Festival eröffnen dürfen…

Nachdem das Event mit feurigem Thrash entzündet wurde, so endete der Abend dann ebenfalls mit einem furiosen Thrash-Inferno, abgefackelt von TEUTONIC SLAUGHTER, die verdammt spontan für DARKNESS eingesprungen sind. Dies zeigt auch wieder, wie die Metal-Szene zusammenhält, vor allem auch im Schmelztiegel Ruhrpott. Es ist schön immer wieder bekannte Gesichter auf den Events zu treffen.

Ich muss zugeben, dass ich von der SMORRAH-Moshpit-Session noch etwas angeschlagen war. Das schien auch anderen so zu gehen, aber bei TEUTONIC SLAUGHTER gab es dann doch noch einmal einen kleinen Nachschlag, denn der Auftritt war energiegeladen ohne Ende und setzte die Fans noch mal richtig unter Strom. Es war mein erstes Live-Event mit TEUTONIC SLAUGHTER und ich muss sagen, dass auch sie für die Bühne geboren sind. Da geht so was von der Punk ab. Auch das kann man an den Fotos gut ablesen. Sie haben übrigens vor kurzem ihr Album „Cheap Food“ veröffentlicht. Zieht euch die Thrash-Raketen auf dem Album rein. Es lohnt sich! (Review)

Freud und Leid

liegen manchmal nah beieinander. Der Verlust von Ben warf im Vorfeld einen dunklen Schatten über das Festival. Doch alle Beteiligten haben Ben die Ehre erwiesen und ihm einen lauten Abschied beschert. So wie er es sich gewünscht hätte!

An dem Abend gab es aber auch ein sehr schönes Ereignis, denn beim Auftritt von SMORRAH wurde es plötzlich sehr romantisch und es fand ein Heiratsantrag im Metal-Style statt. Die Aufregung, aber auch sichtbare Freude stand beiden ins Gesicht geschrieben. Ja…. viele mögen es kaum glauben. Trotz der Vorliebe für harte Mucke haben wir Metalheads auch Gefühle in unseren Stahlherzen, wie man hier vortrefflich sehen kann. Und mit diesen schönen emotionalen Bildern möchte ich den Bericht abschließen.


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