A Night To Remember

40 Jahre Protector Live im Hallenbad Wolfsburg

Support: Nuctemeron

Vorwort

Es ist schon länger her, dass mein Freund Martin Sosna einen Beitrag geschrieben hat. Ich habe seine Beiträge vermisst und bin froh, dass er wieder Zeit gefunden hat, um einen Konzertbericht zu schreiben. MArtin ist ja immer sehr beschäftigt und war im Vorfeld seines THRASH SPEED BURN Festivals 2026 (Bericht Tag1 und Tag2 ) natürlich noch mehr in Action gewesen.

MARTIN gibt alles für die Szene. Sogar gesundheitliche Einschränkungen ignoriert er tapfer. Daher muss ich ihm umso mehr für diesen Konzertbericht danken! Warum? Dazu müsst ihr den Bericht lesen…

Gastbeitrag von Martin Sosna

Im letzten Jahr haben DARKNESS ihr 40 jähriges Bandjubiläum in ihrer Heimatstadt Essen gefeiert. Nun ziehen 2026 PROTECTOR stilecht nach und feiern ebenfalls ihr Jubiläum in der Stadt, in der die Band gegründet wurde: Wolfsburg. Die Show findet im Hallenbad statt.

Zu der Band PROTECTOR möchte ich vorher folgendes erwähnen:

PROTECTOR gehören zu den legendären Bands, die sich 1986 gründeten und ebenfalls als Wegbereiter des deutschen Thrash Metal gelten. 1986 war die deutsche Thrash-Metal-Szene in einer Aufbruchstimmung. In Amerika waren zu dem Zeitpunkt METALLICA, MEGADETH, FLOTSAM & JETSAM, TESTAMENT usw. sehr präsent. PROTECTOR waren neben EXHUMER, DARKNESS, KREATOR, SODOM usw. ein sehr wichtiger Bestandteil der deutschen Thrash-Metal-Szene. Ich finde, dass der Wert solcher Bands immer irgendwie unter Wert gehandelt wurden im Vergleich zu den amerikanischen Mitstreitern. Dies finde ich nicht fair, denn wenn man auf die Historie zurückblickt, was Bands wie 𝐏𝐑𝐎𝐓𝐄𝐂𝐓𝐎𝐑 alles geleistet haben, dann sollte man das eigentlich gebührend anerkennen. Da müsste die Hütte bei solchen Bands rappelvoll ausverkauft sein und sämtliche Medien- und Pressevertreter müssten vor Ort sein, um der Band ihre Wertschätzung zu zeigen und ihrer Bedeutung gerecht zu werden.

Die Flosse sieht nicht gut aus….


Als wir die Tickets für diese Show kaufen, da stehen die Spritpreise noch bei 1,58€ für den Liter Diesel. Für meinen Kumpel Rene und mich ist allerdings klar: da müssen wir dabei sein. Schon am Tag der Arbeit reisen wir an, da wir alles entspannt halten wollen. Warum nicht mal Wolfsburg sehen und entdecken.

So planen wir für Samstagvormittag den Besuch der Autostadt. Planen wir… aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Am Samstagmorgen geht es nach dem Frühstück ins Klinikum Wolfsburg, was übrigens sehr schön, aber auch hoffnungslos überfüllt ist. Resultat nach knapp 4 Stunden Aufenthalt: Kapselriss im Handgelenk.

Ich bekomme den ersten Gips in meinem Leben. Angefangen hatte wohl alles in Dezember 2025, als ich in einem Fiat Ducato mit den Fingern im Verschluss der Autotür hängenblieb. Nach ein paar Tagen ließ der Schmerz nach und so brauchte es keinen Arzt. Am Tag der Abreise nach Wolfsburg hebe ich einen Karton in den Wagen und mein Handgelenk meldet sich mit dem Anspruch auf Beachtung. Die kommende Nacht lässt mich kaum schlafen und Kollege Rene gibt die lockere These aus: „Die Flosse sieht nicht gut aus… da sollte mal der Herr Doktor drauf schauen“.

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All das hält mich aber nicht davon ab, der Show von 𝐏𝐑𝐎𝐓𝐄𝐂𝐓𝐎𝐑 beizuwohnen. Der Einlass startet pünktlich um 18.30Uhr und ebenso pünktlich legen dann 𝐍𝐔𝐂𝐓𝐄𝐌𝐄𝐑𝐎𝐍 mit ihrem Black Witching Blitz Metal of Satan los. Ich kenne die Band nicht, aber von der ersten Note an ist klar, dass die Band heiß auf diese Show ist. Die Begriffe „Black Speed Hell“ sind hier keine Floskel. Mit amtlichen Corpsepaint entern die Rheinländer die Bühne. Musikalisch passt die Band bestens zu 𝐏𝐑𝐎𝐓𝐄𝐂𝐓𝐎𝐑. Der Saal wird so bestens für 𝐏𝐑𝐎𝐓𝐄𝐂𝐓𝐎𝐑 vorbereitet und damit der positive Eindruck nochmal entsprechend unterstrichen wird, hauen 𝐍𝐔𝐂𝐓𝐄𝐌𝐄𝐑𝐎𝐍 mit „Angel Dust“ noch ein bockstarkes Venom Cover raus. Dieses Review wird der starken Show der Band nicht gerecht, was an meinem gesundheitlichen Zustand liegt. Die Kräfte wollen für den Abend gut eingeteilt sein.

Bekannte Gesichter


Inzwischen sind viele bekannte Gesichter aufgetaucht. Ob es der Ultra Fan Michael Dohmen aus Hilfrath ist, Torsten Penny aus Lingen, Martin aus Bottrop, Fredi von Erazor, Mario Ziegan aus der Ecke von Kassel, Michael Eden von Radio Mähdrescher aus Emden… die Liste ist lang. Was man vermisst, ist wie schon 2025 bei DARKNESS, die einschlägige deutsche Print Metal Presse. Gefühlt sind weder das Deaf Forever, Rock Hard oder Metal Hammer vor Ort. Oder habe ich schlicht niemanden sehen wollen? Egal…

PROTECTOR


Mit „Protectors of Death“ fangen Martin Missy und seine Mannen ganz vorne in der Historie der Band an und arbeiten sich langsam durch das Set. Aber Moment, am Bass das ist doch nicht Mathias Johanson… nein, das ist der Ur-Basser der Band Michael Schnabel. Großes Gejohle im Publikum und ganz ehrlich: Das ist der Anfang eine monumentalen Abends im Hallenbad. Die Bude ist super gefüllt und gefühlt wäre der VFL Wolfsburg froh, wenn sie so viele Auswärtsfahrer zu ihren Spielen am Start hätten. Noch glücklicher wäre der VFL Wolfsburg, wenn sie so eine Stimmung im Stadion hätten, wie sie hier gerades im Hallenbad herrscht.

Der Saal tobt

Meine Gedanken sind noch klar und es geht mit „Misantrophy“ bündig weiter, was für kollektives Headbangen sorgt. Aber wir wollen Leiber durch die Menge fliegen sehen und das tun wir auch, bei den ungleichen Brüdern von „Kain und Abel“. Nach Headbangen, Moshpit und Circle Pit und Stagediven fehlt noch kollektives Ausrasten und das liefert Martin Missy, als er nach „Golem“ Ur-Mitglied Hansi Müller auf die Bühne holt. Der Saal tobt und das geht den ganzen Abend so weiter, denn auch die Leviathan´s Desire oder Shedding of Skin Phase wird mit Oliver Wiebel, Matze Grün geehrt.

PROTECTOR feiern ihre Geschichte

Jede Phase der Band wird mit Gastmusikern ausgestattet und keine Zeit in der Bandhistorie ausgelassen. Auch die Zeit als PROTECTOR sich auflösten und einzig Marco Pape versuchte die Band aufrecht zu erhalten und 2000 das Demo „Ressurrected“ veröffentlichte. So wird dieser Abend ein absolutes Zeitdokument. Einzig könnte man negativ bemerken, das eigentlich ein Filmteam hier sein müsste, um diesen Abend visuell festzuhalten. Wir sind uns am Ende alle einig: Das waren gute 3 Stunden Zeitgeschichte des deutschen Thrash Metal und es war grandios, diesem Abend in einem prall gefüllten Hallenbad beigewohnt zu haben.


Eine Band feiert sich, seine Geschichte mit allen Licht und Schattenseite, so steht die ganze Zeit ein Bild von Michael Hasse auf der Bühne. Der Urvater der Band, der damals die Stöcke bei PROTECTOR zerkloppt hat und der 1994 viel zu früh an den Folgen seiner Drogensucht verstarb. Es wurde an alles gedacht und mehr PROTECTOR wird es niemals mehr wieder geben. Da bin ich mir sicher.
Nach der Show ist nur noch eines angesagt: alle Bandmitglieder feiern zusammen mit den Fans im Sauna Club… ich klinke mich allerdings aus uns zolle der Kapsel und meinem Handgelenk Tribut.


Historischer Abend, dem ich die Höchstnote inkl. Zusatzsternchen verleihen würde. Hier hat alles gepasst, von der Vorband, der Hauptband, dem Merchandise bis hin zum überforderten Thekenpersonal, dem es viel Schweiß gekostet hat, den Durst der Fans zu stillen. A Night to Remember!!!


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