12.08. Košice-Collosseum Club
Wir fahren noch in der Nacht nach Kosice in die Slowakei. Unsere Ausweise legen wir alle in einen Korb. Auch wenn die Grenzen offen sind, so sind doch einige Grenzbeamter sehr motiviert, einen Reisetrupp auch mal in der Nacht aus dem Bus zu holen und zu checken, ob Drogen in der Bude zu finden sind.
Heute Nacht sollen wir aber Glück haben und können in Ruhe weiterschlafen. Kosice wird meine letzte Show mit Armored Saint auf dieser Reise sein. Ich werde zwar im Bus mit zurück nach Krakau fahren und dort ein Taxi Richtung Krakau Airport nehmen. Allerdings fliege ich nicht von Krakau nachhause, sondern ich fahre nach Warschau. Als ich damals die Flüge gebucht habe, da war der Flug von Krakau fast 500€ teuer, während ich für knapp 200€ von Warschau aus direkt nach Düsseldorf fliegen kann. Also habe ich einen Wagen am Airport in Krakau gemietet und fahre von dort nach Warschau. Dazu morgen etwas mehr…
Was ist ein Crossload?


Egal. Wir sind inzwischen in Kosice angekommen und haben heute einen „Cross Load“. Das bedeutet… wir laden alles aus dem Anhänger in einen Bus. Der Bus fährt zum Collosseum Club, dort laden wir alles aus und in den Club wieder rein. Abends genau das gleiche Spiel. Der Club ist in einer schmalen Passage, in der unser Nightliner nicht reinfahren kann. Aus dem Grund sind wir zu dem Crossload gezwungen. Das macht extrem mehr Arbeit, da man alle Sachen doppelt so oft in die Hand nimmt.


Wir sind alle sehr müde und ausgelaugt.
Das super warme Wetter mit 35 Grad setzt allen zu. Wir haben wieder den Bus nicht vor Ort und müssen um 11:00 h aus dem Gefährt raus sein. Man merkt jedem Einzelnen an, da es einfach nicht richtig geil ist und das es auf die Substanz geht. Demnach geht heute alles etwas langsamer, denn die Power und Kraft vom Anfang ist aufgebraucht.
Wir haben tonnenweise Elektrolyte und Magnesium…
…sowie Vitamine zu uns genommen, aber das nutzt am Ende leider nicht viel. Wobei… wer weiß, wie wir drauf wären, würden wir uns nicht mit den ganzen Pillen und Pulvern versorgen? Wir sind heute mit 3 Bands im Colloseum von Kosice zu Gast. Der Laden ist eine abgerockte, aber recht gut gepflegte Bar, die sogar Fans aus Ungarn anzieht. Es sind knapp 70 Leute im Laden, als Cutthroat auf der Bühne stehen.
Wir haben 3 Schlagzeuge auf der Bühne,
da der Drummer von Cutthroat linkshänder ist. ARMORED SAINT hatten von Beginn an klar gestellt, dass niemand über Gonzo seine Kiste spielen wird. Also haben auch Vio-Lence ihr eigenes DrumKit mit. Der Aufbau von 3 Schlagzeugen auf dieser Bühne hat schon etwas von Tetris. Mein Stand ist schnell aufgebaut. Ich habe noch exakt einen Karton an Merchandise mit insgesamt vielleicht 80 Shirts insgesamt. Viele Sachen sind „Sold Out“ und ich versuche, die Reste zu verkaufen. Demnach nehme ich die kleinste Ecke an Platz ein und gebe Vio-Lence den Platz und Raum, den sie für ihre 10 Kartons an Baumwoll-Schrott brauchen.
Ganz ehrlich: Viol-Lence sind eine Legende, aber deren Merch gegen das von Cutthroat: Das ist wie David gegen Golliath. Das Merch von Cutthroat ist absolut stylisch und cool gemacht. Passend zur Musik. Das Merch von Vio-Lence ist ein hässlicher Kasten mit dem „Eternal Nightmare“, was nur einseitig gedruckt ist und 30 Euro koste soll. Das etwas „stylisch“ angepasste „Eternal Nightmare“ Design hat einen Rückendruck und kostet dann auch gleich 35€. Es erklärt sich, dass die Band am Abend kaum etwas los wird. Wir sind in der Slowakei und die Menschen haben hier das Geld eh nicht so locker sitzen, plus den Umstand, dass die Slowakei im Bereich Merchandise eh sehr zurückhaltend ist, was die Verkäufe angeht. Ich verkaufe die letzten signierten CD´s und es gehen noch Patches und einige der letzten Shirts, dann ist der Deckel drauf.
Cutthroat kannte ich nicht, aber sie legen eine echt gute Show hin, die ein Mix aus Crossover und Hardcore ist. Die Fans feiern die Band gut ab und da das Merch mit 20€ je Shirt, 10€ die CD recht günstig ist, geht auch einiges über den Tresen.
Vio-Lence werden von vielen Leuten erwartet und auch gefeiert. Ich komme mit dem Gesang nicht klar. Das fehlt mir die Kraft und die Power drin. Dieses „I´m a real bad Asshole“ Gelaber geht mir auch auf den Sack. Dennoch feiern einige Leute die Band vollkommen ab.
Wo wollen denn alle hin?
Inzwischen sind auch gut 250 Leute im Saal und ich darf erleben, wie nach der Show von Vio-Lence der Saal bis auf vielleicht 10 Nasen alle den Saal verlassen??? Ich bin irritiert. Waren alle echt nur für Vio-Lence da? Krass? „Delivering the Goods“ von Judas Priest kündigt die Show von ARMORED SAINT an, ehe es in das Intro von „Close to the Bone“ übergeht. Exakt vom ersten Schlag auf die Saiten, strömen zig Leute in den Saal… aus allen Ecken. Selbst aus der Toilette kommt ein Pärchen raus gerannt. Sind das 250Leute? Sind das mehr?
Die Oberränge füllen sich und John haut sein „Yes i hate you but i hold it in“ raus und es bricht lautes Gejohle los. Die Fans feiern die Band von der ersten Sekunde an und als „March of the Saint“ folgt, kennt die Meute kein Lautstärkenbegrenzung mehr. Mir läuft an meinem Platz der Schweiß in strömen den Leib runter. Wenn sich jemand an die ausverkaufte ARMORED SAINT Show in Essen vor 2 Jahren erinnern kann: So ist es heute auch. Ich bade mich im Schweiß.
Wehmut kommt auf….
Heute ist die zweitletzte Show der Tour und John macht während des Auftritts eine Pause, um sich bei der Crew im Namen der Band zu bedanken: Wir hätten alle über die drei Wochen hinweg einen super Job gemacht und dabei nie gemeckert oder uns beklagt. Dafür bekommen wir jeder persönlich Applaus von den Fans. Als John mich, den „Merch of the Saint“ erwähnt, wird es etwas sentimental:
„20 Jahre reisen wir durch die Welt und Martin ist nicht nur der Merch of the Saint, er ist ein Freund, der Fels in unserer Saint Familie. Wir alle lieben dich. Vielen Dank Martin, das du unser Freund bist und so viel für die Band getan hast.“
Ich muss eine Träne wegdrücken. Diese Worte klingen toll und so war auch die ganze Zeit das Verhältnis auf der Tour. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir wirklich ein gutes Team waren, das von unserem Kopf Heavy D auch sehr gut gesteuert und gemanaged wurde. Die Ansagen waren immer klar und deutlich.
Es wurde viel gefordert, aber es wurde auch viel gegeben.
Ich kann nichts anders sagen, als das der Abend auf der Bühne ein Triumphzug für ARMORED SAINT ist. Die Band haut nochmal alles raus und John bemerkt am Ende im Bus, das er wohl zu viel Gas gegeben hat und sich und seine Stimme schonen möchte. Demnach gibt es einen heißen Tee mit Honig und ein chilliges Zusammensitzen. Mein letzter Abend im Bus. Wir quatschen noch etwas und ich verabschiede mich von allen. Wenn die Jungs morgen um 7 Uhr noch schlafen, werde ich irgendwo in Krakau am Straßenrand stehen und auf mein Taxi warten.

Der Abschied naht…
Es dringt etwas Wehmut durch, denn die Zeit war schön und jetzt ziehen wir alle in unterschiedliche Richtungen los. Es ist Zeit meine Sachen zusammen zu stellen und meinen Abgang vor zu bereiten. Der schwierigste Part ist das „Tschüss“ sagen. Auf Partys verpisse ich mich gerne heimlich und bin einfach weg, da ich diese „Sentimentalitäten“ nicht mag und mir das „Tschüss“ sagen wirklich schwer fällt. Ich komme aber aus der Nummer nicht raus…
Ich verabschiede mit von Chris, der sich um die Gitarren auf der Tour gekümmert hat und der ein sehr leiser und liebenswerter Charakter ist, der immer mit einer helfenden Hand zur Stelle war. Dann kommt ein „Ciao“ an Federico, der sich um Gonzo sein Drumset gekümmert hat und selbst ein fantastischer Schlagzeuger ist und demnächst mit HATE als Drummer auf Tour sein wird. Es folgen Joey und John, die beide noch unten in der Lounge mit Federico und Chris zusammen sitzen. Nächstes Jahr soll es weiter gehen. John ist schon für diverse Festivals bestätigt und hätte mich gerne als MerchGuy dabei.
Oben sitzt Heavy D am Computer und klärt letzte Details für die Show in Krakau. Er ist auch kein Typ von sentimentalen Abschieden und so geben wir uns die Hände und ich bedanke mich bei ihm und sage erneut, das er einen fantastischen Job gemacht hat. Das kann ich noch 10mal betonen. Heavy D ist ein absoluter Macher und Kampfschwein.
Die anderen Jungs liegen schon in der Koje und dorthin verziehe ich mich jetzt auch….

Schreibe einen Kommentar