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Genre: Death Metal
Release: 10.04.2026
Label: Black Lion Records

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 aus Schweden werden am 10. April ihr DebĂŒt via Black Lion Records veröffentlichen, was sie schlichtweg einfach „2026“ getauft haben. 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 setzen darauf ihre kompromisslose Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln der schwedischen Geschichte fort und verwandeln das kollektive GedĂ€chtnis in brachialen Death Metal.

Der Sound von 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 schlĂ€gt mit derselben Wucht zu wie die Texte, die ihn tragen. Auch wenn die Songs eine spĂŒrbare melodische Substanz besitzen, dominiert ein unmittelbarer, kompromissloser BrutalitĂ€tsfaktor, der sich durch jede Sekunde frisst. Einen entscheidenden Anteil daran haben die extrem dĂŒsteren Vocals von Johan „Flid“ Fridell, der mit gnadenloser Direktheit die ohnehin harten musikalischen Attacken verstĂ€rken. Diese Symbiose aus roher Gewalt und kontrollierter Melodik ist erschreckend gnadenlos.

„1868 Sommar vid Vintervike“ befasst sich mit einer Tragödie in dem Ort Vinterviken. Der Sommer in als Opener befasst sich mit einer Tragödie im Jahr 1868, wo durch eine verheerende Explosion in einer Fabrik von Alfred Nobel in Vinterviken, unweit von Stockholm, hat die Stadt in tiefe Trauer gestĂŒrzt und viele Tote und Verletzte gefordert. Die Fabrik war fĂŒr ihre Sprengstoffproduktion bekannt.

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 bleiben auf ihrem Album gnadenlos konsequent. Hymnische Refrains oder andere sanfte Entlastungsmomente sucht man hier vergeblich. Jeder Track wirkt wie eine brutale Abrechnung, eine musikalisch verdichtete Darstellung dunkler historischer Kapitel, die ohne Beschönigung auf den Punkt gebracht werden.

FĂŒr etwas Auflockerung sorgen einzig die immer wieder eingestreuten Gitarrensoli, die ĂŒberraschend melodisch und stellenweise fast rockig aufleuchten. Besonders deutlich wird das in „1867: StorsvagĂ„ret“, wo ein Solo bereits nach dem ersten Chorus einsetzt. Das ist ungewöhnlich frĂŒh, aber dramaturgisch absolut schlĂŒssig, denn die zweite HĂ€lfte des Songs schlĂ€gt in einen regelrechten Höllensturm um. Diese Wendung zeigt exemplarisch, wie prĂ€zise 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 ihre Dynamik kontrollieren und wie kompromisslos sie ihre Vision umsetzen.

Inhaltlich beschreibt „1867: StorsvagĂ„ret“ eines der schlimmsten Jahre der großen skandinavischen Hungersnot von 1867–1869. In Nordschweden kam es zu massiver Armut, Hunger, Krankheiten und tausenden Toten. GrĂŒnde dafĂŒr lagen auch im politischen Versagen, indem zu zögerlich und unzureichend gehandelt wurde.

Es lohnt sich wirklich sich mit dem Inhalt der Songs zu beschĂ€ftigen, denn die Geschichten dahinter sind super interessant. So auch die Story hinter dem Song „1948: Att döda ett barn“. Dazu erklĂ€rt die Band:

1948 befand sich Schweden in einer stillen Krise. Die Autos wurden immer schneller. Es gab keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und die Zahl der Verkehrstoten stieg. Daher traf die Nationale Gesellschaft fĂŒr Verkehrssicherheit (NTF) eine radikale Entscheidung: Anstatt mehr Regeln zu fordern, setzte sie auf Angst. Sie engagierte einen der dĂŒstersten Schriftsteller der damaligen Zeit, Stig Dagerman, und bat ihn, eine Geschichte zu schreiben, die die Menschen zum Langsamfahren bewegen sollte. Das Ergebnis war „Att döda ett barn (Ein Kind töten).

Eine kurze, erschĂŒtternde Geschichte, in der ein rasendes Auto das Leben eines Kindes beendet. Kalt. Unausweichlich. Unvergesslich. Die Geschichte wurde in einer Zeitung abgedruckt und spĂ€ter auch als Kurzgeschichte im nationalen Radio gesendet. Am Tag nach der Ausstrahlung ließen viele Schweden ihre Autos zu Hause. Die Wirkung war so stark, dass sie an ein kollektives Trauma grenzte. Mit „1948 – Att döda ett barn“ greifen wir die Geschichte, die erstmals 1948 veröffentlicht wurde, und den Kurzfilm von 1953 erneut auf. Dies ist unsere Hommage an die Kraft des GeschichtenerzĂ€hlens und seine Wirkung auf das kollektive GedĂ€chtnis.

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 beweisen auf diesem Album eindrucksvoll, dass sie nicht ausschließlich im mörderischen Tempo und mit unbĂ€ndiger dĂŒsterer Aggression operieren. Immer wieder öffnen sie RĂ€ume, in denen sich eine unerwartete atmosphĂ€rische Tiefe entfaltet. Songs wie „1885: Dödsdansen (i mĂ„nskensnatten)“ oder „1991: 2000 Ă„r (Saliga Ă€ro de tĂ„lmodiga)“ tragen einen deutlich melancholischeren Ausdruck in sich — eine Schwere, die nicht aus Raserei, sondern aus innerer Erschöpfung und historischer Tragik entsteht. Der Eindringlichkeit nimmt das nichts; im Gegenteil, diese Momente erweitern die emotionale Spannweite des Albums und verleihen der Gesamtwirkung eine wohltuende, aber keineswegs beschönigende Varianz.

Insbesondere der Song „1897: Mot polen“ vollzieht im Verlauf eine krasse Entwicklung. Zu Beginn noch mit melancholisch balladesken ZĂŒgen unterwegs, wird der Song zu einem Wechselbad der GefĂŒhle, indem er zwischen tragender Melancholie und wilder Raserei alterniert.

Hintergrund des Songs ist ein waghalsiger, fataler Versuch im Jahr 1897, den Nordpol mit einem Wasserstoffballon zu erreichen. Bereits kurz nach dem Start verlor der Ballon an Höhe und driftete unkontrolliert ĂŒber das Packeis. Salomon August AndrĂ©e’s Unterfangen wurde so zu einem katastrophalen Desaster. Die Expedition endete in einem monatelangen Überlebenskampf auf dem arktischen Eis und kostete letztlich allen drei Teilnehmern das Leben. Ihre TagebĂŒcher wurden erst 1930 gefunden und waren Zeugnis von unbarmherziger KĂ€lte, unertrĂ€glichen Hunger und schierer Verzweiflung.

Auf den letzten Song muss ich noch eingehen, und zwar aus zwei GrĂŒnden: Zum einen ist es wohl der am meisten balladeske Song auf dem Album und zum anderen ist ein Coversong.

Mit „2009: Alla ska i jorden“ (deutsch: „Alle mĂŒssen in die Erde“) greifen 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 einen Song von Stefan Sundström auf; einem KĂŒnstler, der die dunklen, zynischen Unterströmungen des modernen Schwedens in Worte fasst. Dass sich 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 ausgerechnet dieses StĂŒck vornehmen, ist kein Zufall: Der existenzielle Fatalismus des Originals passt perfekt in die thematische Ausrichtung des Albums.

Der Song ist im Original eine rein akustische Ballade, die von lakonischer Bitterkeit geprĂ€gt ist, doch anstatt dies einfach zu reproduzieren, verwandeln 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 den Song in eine brachiale, fast apokalyptische Abrechnung, die bis ins Innerste vordringt. Die rohe HĂ€rte und die dĂŒsteren Vocals schĂ€len den Kern des StĂŒcks frei und treiben ihn ins Extrem. Das macht den Song zu etwas GrĂ¶ĂŸerem, nicht nur zu einer Beschreibung von ZustĂ€nden, sondern zu einer durchdringenden apokalyptischen Warnung oder auch mahnenden Anklage, wie wir als Menschheit versagen. Es ist die brutale Offenbarung, dass die moderne Welt so tödlich ist wie vergangene Katastrophen.

Im Kern transportiert „Alla ska i jorden“ die bittere Erkenntnis, dass wir Menschen uns viel zu oft ĂŒber unsere Unterschiede definieren, wie z.B. Herkunft, Klasse, Überzeugungen oder Status, wĂ€hrend wir unsere grundlegende Gemeinsamkeit ĂŒbersehen: Am Ende sind wir alle gleich.
Der Tod nivelliert jede Grenze, jede Hierarchie, jede Illusion von Bedeutung. Wir werden alle zu Staub, und die Welt dreht sich unbeeindruckt weiter.

Fazit

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 legen mit diesem Album 2026 ein Werk vor, das weit ĂŒber die reine HĂ€rte seines Sounds hinausreicht. Die Band nutzt ihre brachiale Energie nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug, um historische Tragödien, gesellschaftliche BrĂŒche und existenzielle Wahrheiten offenzulegen. Jeder Song wirkt wie ein Schlaglicht auf ein anderes Kapitel menschlicher Verletzlichkeit: von Hunger, Krieg und Hybris bis hin zu moderner Entfremdung und der bitteren Erkenntnis, dass wir unsere Gemeinsamkeiten oft erst im Tod wiederfinden.

Am Ende steht ein Album, das nicht nur musikalisch kompromisslos ist, sondern auch inhaltlich: ein schonungsloser Blick auf das, was Menschen einander antun, und auf das, was uns trotz aller Unterschiede unausweichlich verbindet.

  1. 1868: Sommar vid Vinterviken (04:28)
  2. 1867: StorsvagÄret (03:04)
  3. 1965: Höghus och kultur (05:16)
  4. 1948: Att döda ett barn (03:43)
  5. 1885: Dödsdansen (i mÄnskensnatten) (04:49)
  6. 1897: Mot polen (03:57)
  7. 1991: 2000 Är (Saliga Àro de tÄlmodiga) (04:11)
  8. 1937: LÄgor vid portarna (04:19)
  9. 2009: Alla ska i jorden (05:06) (Stefan Sundström cover)
  • Johan „Flid“ Fridell – vocals
  • Tobias Jakobsson – guitars
  • Jussi Niiranen – guitars
  • Micke AndrĂ© – bass and backing vocals
  • Felix Wahlund – drums

Bild-und Zitatquelle: ALL NOIR PR

english review

Genre: Death Metal
Release: 10.04.2026
Label: Black Lion Records

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 from Sweden will release their debut via Black Lion Records on April 10, simply titled “2026″. With this record, 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 continue their uncompromising confrontation with the darker chapters of Swedish history, transforming the collective memory into relentless death metal.

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓’s sound hits with the same force as the lyrics that drive it. Even though the songs carry a tangible melodic undercurrent, an immediate and uncompromising sense of brutality dominates, cutting through every second. A decisive part of this impact comes from Johan “Flid” Fridell’s extremely dark vocals, which amplify the already punishing musical assaults with merciless directness. This symbiosis of raw violence and controlled melody is terrifyingly relentless.

“1868 Sommar vid Vintervike” deals with a tragedy that struck the area of Vinterviken. As the album’s opener, the track revisits the events of the summer of 1868, when a devastating explosion at one of Alfred Nobel’s factories in Vinterviken, just outside Stockholm, plunged the region into deep mourning and left numerous dead and injured. The factory was known for its production of explosives.

On their album, 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 remain relentlessly uncompromising. You won’t find anthemic choruses or any gentle moments of relief here. Every track feels like a brutal reckoning, a sonically condensed portrayal of dark historical chapters, delivered without embellishment and driven straight to the point.

The only moments of relief come from the recurring guitar solos, which flare up with surprising melodicism and, at times, an almost rock‑like brightness. This becomes especially clear in „1867: StorsvagĂ„ret“, where a solo enters right after the first chorus. This is unusually early, yet dramaturgically spot‑on, as the second half of the track descends into a full‑blown hellstorm. This shift exemplifies how precisely 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 control their dynamics and how uncompromisingly they execute their vision.

“1867: StorsvagĂ„ret” addresses one of the worst years of the great Scandinavian famine of 1867–1869. Northern Sweden was struck by severe poverty, hunger, disease, and thousands of deaths. The catastrophe was exacerbated by political failure, as the authorities responded too slowly and inadequately to the unfolding crisis.

It’s genuinely worth diving into the lyrical themes, because the stories behind these songs are incredibly compelling. The same goes for the narrative behind “1948: Att döda ett barn“. About this, the band explains:

In 1948, Sweden faced a quiet crisis. Cars were getting faster. Speed limits didn’t exist. And traffic deaths were rising. So the National Society for Road Safety (NTF) made a radical choice: instead of advocating more rules, they turned to fear. They hired one of the darkest writers of the time, Stig Dagerman, and asked him to write a story that would make people slow down. What he delivered was ‚Att döda ett barn (To Kill a Child)

A short, devastating tale where a speeding car ends a child’s life. Cold. Inevitable. Unforgettable. The story was printed in a newpaper and later also broadcast as a short story on on national radio. The day after broadcast, many Swedes left their cars at home. Its impact was so strong it bordered on collective trauma. With ‚1948 – Att döda ett barn‘, we revisit the story first published in 1948 and the short film that was made in 1953. This is our tribute to the power of storytelling and the effects it can have on the collective memory.

𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 demonstrate impressively on this album that they are not confined to murderous tempos and unrestrained dark aggression. Time and again, they open spaces in which an unexpected atmospheric depth unfolds. Tracks like “1885: Dödsdansen (i mĂ„nskensnatten)” or “1991: 2000 Ă„r (Saliga Ă€ro de tĂ„lmodiga)” carry a distinctly more melancholic expression with a heaviness born not from frenzy, but from inner exhaustion and historical tragedy. This does nothing to diminish the intensity; on the contrary, these moments broaden the album’s emotional range and lend the overall impact a welcome, yet never sugar‑coated, sense of variation.

The track “1897: Mot polen” undergoes a striking transformation as it unfolds. What begins with melancholic, almost ballad‑like qualities soon turns into an emotional rollercoaster, alternating between weighty melancholy and ferocious frenzy.

The background of the song is a daring and ultimately fatal attempt in 1897 to reach the North Pole in a hydrogen balloon. Shortly after takeoff, the balloon began to lose altitude and drifted uncontrollably across the pack ice. Salomon August AndrĂ©e’s undertaking turned into a catastrophic disaster. The expedition devolved into a months‑long struggle for survival on the Arctic ice and ultimately cost all three participants their lives. Their diaries were not discovered until 1930, bearing witness to merciless cold, unbearable hunger, and sheer despair.

I have to address the final track for two reasons: first, it is arguably the most ballad‑like song on the entire album, and second, it is a cover.

With “2009: Alla ska i jorden” (english: “Everyone must go into the ground.”), RIKET reinterpret a song by Stefan Sundström, an artist known for capturing the dark, cynical undercurrents of modern Sweden. That 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 chose this particular piece is no coincidence: the existential fatalism of the original aligns perfectly with the album’s thematic direction.

The original song is a purely acoustic ballad marked by laconic bitterness, but instead of simply reproducing that mood, 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 transform it into a brutal, almost apocalyptic reckoning that cuts straight to the core. The raw heaviness and the dark vocals strip the piece down to its essence and push it to the extreme. This elevates the song into something greater. It’s not merely a depiction of circumstances, but a piercing apocalyptic warning, even an accusatory reminder of how humanity continues to fail. It becomes a brutal revelation that the modern world is just as deadly as the catastrophes of the past.

At its core, “Alla ska i jorden” conveys the bitter realization that we humans far too often define ourselves by our differences — origin, class, beliefs, status — while overlooking the one fundamental thing we all share: in the end, we are the same. Death levels every boundary, every hierarchy, every illusion of significance. We all return to the earth, and the world keeps turning, utterly unmoved.

Conclusion

With the album „2026“, 𝐑𝐈𝐊𝐄𝐓 present a work that reaches far beyond the sheer heaviness of its sound. The band does not wield their brute force as an end in itself, but as a tool to expose historical tragedies, societal fractures, and existential truths. Each song feels like a spotlight on a different chapter of human vulnerability: from famine, war, and hubris to modern alienation and the bitter realization that we often rediscover our common ground only in death.

In the end, what remains is an album that is uncompromising not only in its sound, but also in its substance: an unflinching look at what human beings do to one another, and at what, despite all our differences, inevitably binds us together.

  1. 1868: Sommar vid Vinterviken (04:28)
  2. 1867: StorsvagÄret (03:04)
  3. 1965: Höghus och kultur (05:16)
  4. 1948: Att döda ett barn (03:43)
  5. 1885: Dödsdansen (i mÄnskensnatten) (04:49)
  6. 1897: Mot polen (03:57)
  7. 1991: 2000 Är (Saliga Àro de tÄlmodiga) (04:11)
  8. 1937: LÄgor vid portarna (04:19)
  9. 2009: Alla ska i jorden (05:06) (Stefan Sundström cover)
  • Johan „Flid“ Fridell – vocals
  • Tobias Jakobsson – guitars
  • Jussi Niiranen – guitars
  • Micke AndrĂ© – bass and backing vocals
  • Felix Wahlund – drums

image & quote source: ALL NOIR PR


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