Vor einigen Wochen war ich im Kulttempel Oberhausen bei THE TROOPS OF DOOM und RUTHLESS. Es war ein fantastischer Abend mit diesen beiden Bands. Die Fans waren begeistert. Heute sind es vier Bands, die sicherlich ebenfalls für Begeisterung sorgen werden. Allen voran die Thrash Metal Veteranen MORTAL SIN! Diese Band ist wahrscheinlich der stärkste Magent, der die Fans in den Tempel ziehen wird. Aber auch der Support besteht aus starken Bands, die das Zeug haben für eine hervorragende Metal-Sause zu sorgen.
Ein Vorwort
Bevor es losgeht, möchte ich noch meinen Dank und meine Hochachtung für Martin Sosna zum Ausdruck bringen. Ich habe mich in den letzten Monaten und vor allem in den letzten Wochen gefragt, ob er in Wahrheit nicht ein Roboter ist. Meiner Meinung nach hat er „übermenschliches“ geleistet. Ich habe Martin als Mensch kennengelernt, der sehr klar ist, sowohl in seinen Worten als auch in seinem Tun. Humor und Empathie sind ihm auch nicht unbekannt. Er ist seit langer Zeit ein Bestandteil der Metal-Szene, früher als Fan, dann als aktiver Mitgestalter.
Martin kam eher ungeplant in den Genuß, Teil der ARMORED SAINT-Tour zu werden. Bei einem unserer Treffen äußerte er plötzlich die Idee, ein Tourtagebuch zu schreiben, welches ich dann hier auf der Plattform präsentieren könne. Ich fand die Idee großartig. Nun gibt es mittlerweile 14 Kapitel dieses Tagebuchs, welche hier zu lesen sind. Es ist einfach interessant Martins Texte durchzustöbern. Er verschafft Einblicke in eine Welt, die man als Fan nicht zu sehen bekommt.
Ich habe durch die Schilderungen folgendes für mich herausgezogen: So eine Tour bringt tolle einzigartige Erfahrungen für die Bands und die Crew. Jedoch gehört zu Wahrheit dazu, dass es unheimlich anstrengend ist, vor allem dann, wenn man als Band schon lange Zeit im Geschäft ist. Auch Martin ist nicht mehr der Jüngste und als ich Tag für Tag seine Aufzeichnungen las, kam mir dann doch der Gedanke: Das zehrt an den Kräften!
Gestern am späten Abend kam Martin aus Polen zurück, denn heute findet seine Veranstaltung im Kulttempel statt. Warum schreibe ich das hier überhaupt?
Weil ich der Meinung bin, dass man ein solch unermüdlicher Einsatz eine Würdigung verdient. Martin ist ein Kämpfer und gibt immer alles… körperliche Beschwerden werden einfach ignoriert und geistig scheint er immer entspannt zu sein, wahrscheinlich aber nur nach außen. Jedenfalls bin ich unendlich dankbar für solche Menschen, die die Szene am Leben erhalten und ohne die wir nicht so geile „kleinere“ Club-Events genießen könnten. Es ist jetzt 12:00 h mittags und in sechs Stunden mache ich mich auf den Weg in den Kulttempel.
Los geht’s. Überpünktlich um 18:35 h eingetroffen und schon sichte ich einige Fans, die bereits dort vor dem Club verweilen. Scheint heute voll zu werden.
BLOOD ATONEMENT

BLOOD ATONEMENT kommen aus dem Ruhrpott und eröffnen diesen Abend. Die Hütte ist mittlerweile schon gut gefüllt und es sammelt sich schon eine beachtliche Meute vor der Bühne. Dies ist ja beim Opener nicht immer so selbstverständlich. Es gibt bestimmt viele, die nur wegen MORTAL SIN gekommen sind. BLOOD ATONEMENT legen jedenfalls fulminant los und starten ihren musikalischen Frontalangriff. Nichts mit Intro oder kleinem Aufwärmprogramm. Einfach direkt in die Vollen!

BLOOD ATONEMENT servieren ihre Mucke blutig und roh. Das mag etwas grobschlächtig klingen, aber was soll’s. Sänger Christoph rotzt fies seine Vocals raus, was zum rauen kantigen Sound passt. Es wirkt und die erbarmungslose Energie, mit der die Band agiert, lockt nach und nach mehr Fans in den Saal. Die Band kommt also gut an.

Bassist Mike ist häufig sehr leichtfüßig unterwegs und bringt Bewegung auf die Bühne. Sänger Christoph hält seinen Mikrofonständer so fest in den Händen, wie Gandalf seinen Zauberstab, und wirbelt mit dem Ding gerne herum. Zauberei ist hier aber nicht im Spiel, sondern ehrliche bodenständige Live-Musik.

Auf der Bühne ist Bewegung, aber unten im Publikum ist die Zeit noch nicht reif für einen Moshpit, obwohl BLOOD ATONEMENT verdammt Gas geben und dies eigentlich ein bewegunsfreudigeres Publikum verdient gehabt hätte. Doch viele Köpfe waren schon einmal im Schwingmodus. Der Abend ist noch lang und vielleicht wollen die Kräfte noch aufgespart werden.

VELOZZA

Danach kommen VELOZZA aus den Niederlanden auf die Bühne. Den Bassisten Ron, hatte ich schon zu Beginn nach dem Einlaß an der Bar getroffen, wo er sich nen Bierchen bestellt hatte. VELOZZA betreten voller Tatendrang die Bühne und legen los. Jo, das scheppert richtig gut. Die Musik wirkt technisch sehr versiert und besitzt die nötige durchschlagende Thrash-Energie. Und die energischen Vocals von Sänger und Gitarrist Jos sorgen für einen zusätzlichen Energieschub.

Kann man kaum glauben, aber es ist der erste Auftritt der niederländischen Band VELOZZA in Deutschland, wie der Sänger Jos zwischendurch mitteilt. Und die Jungs haben Bock und machen einen sehr guten Eindruck. Melodisch energischer Thrash Metal mit so einigen technischen Raffinessen. Das Songwriting ist etwas komplexer. Die Dynamik ergibt sich hier auch aus diversen Spielereien innerhalb der Songs, was Rhythmik und andere Dinge betrifft. Es gibt aber genügend Passagen, die gnadenlos nach vorne preschen.
Doch auch hier bleibt der Moshpit lange aus, doch plötzlich erscheint Basser Mike von Blood Atonement vor der Bühne und regt mal dezent einen kleinen Moshpit an. Na geht doch…. Bassist Ron von VELOZZA ist übrigens sehr durstig. Ein Gast vor der Bühne bietet ihm ein Glas Bier an. Ron setzt an und in nullkommanix ist die goldene Brause weg.


VELOZZA zeigen ,dass sie es echt drauf haben und sind an jeder Postion hervorragend besetzt. Auch der Leadgitarrist war super und haute geile Solos raus. Es ist eine Band mit viel Potential. Ich bin auf jeden Fall begeistert und bin mir sicher, dass wir noch viel von ihnen hören werden. Sie haben dieses Jahr ihr Album Humantiy veröffentlich, für das ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen möchte. Hört es euch an! Es ist geil!
HIDDEN INTENT

HIDDEN INTENT betreten die Bühne und ich denke noch so, dass da noch jemand fehlt. Ich sehe drei Männer. Wo ist denn die zweite Gitarre? Ja nirgends. Gibt es nicht! Die australische Band HIDDEN INTENT beweist, dass man es auch mit einer Minimalbesetzung krachen lassen kann. Sänger Chris kann nicht nur kraftvoll singen, sondern auch hart den Bass spielen. Phil ist für die Gitarre zuständig und Paul zertrümmert die Schießbude.

Und die Jungs geben alles und liefern dermaßen krass ab, dass ich voller Staunen bin, was man so zu dritt für eine starke Show machen kann. Also wer glaubte, dass es zu einem Energieabfall kommt, nur weil die HIDDEN INTENT „nur“ zu dritt auftreten, der wurde schnell eines besseren belehrt. Es geht weiterhin brutal zur Sache und auch die Metal Maniacs im Publikum werden von der Energie mitgerissen. Die Mucke hat mächtig Dampf und ich bewundere den Gitarristen, der unter Dauerstrom steht und wirklich ebenfalls einen geilen Job macht.


HIDDEN INTENT haben letztes Jahr ihr Album Terrorform rausgebracht und auch dies hat Power bis zum Abwinken. Hier noch ein kleiner Ausschnitt aus dem Gig…
MORTAL SIN

Die Hauptattraktion kündigt sich an. MORTAL SIN sind auf Jubiläumstour „40 Years of Mayhemic Destruction“, feiern und ehren damit ihre damaliges Debüt-Ablum. Ich bin super gespannt, was mich jetzt erwarten wird.
Der Drummer von MORTAL SIN, George Delinicolis, haut mal eben nen kurzes fettes Drumsolo raus, bevor die Show offiziell anfängt. Das lies mich direkt aufhorchen, weil das schon sehr fett rüberkam. Doch da geht noch mehr, wie ich kurze Zeit später feststelle…
Dann geht’s los und es gibt erst einmal ein fettes Intro, aber die Band ist noch nicht vollständig. Erst kommt Basser Andy Eftichiou auf die Bühne und dann folgt Sänger Mat Maurer. Aber schaut und hört selber…. Und ich kann euch versprechen. Das ist nur das Auwärmprogramm.
Drummer George Delinicolis läuft während der Show zur Höchstform auf. Er ist echt ne Wildsau und hat die Felle nach allen Regeln der Kunst verprügelt. Ich war wirklich begeistert von ihm. Diese Präzision bei teilweise tierischer Geschwindigkeit war beeindruckend. Jedenfalls eine irre Dynamik, die er mit seinen Drums entfesselte, ein echter Tornado.
Doch es war nicht nur der Drummer, der mich total abholte. Es war das Gesamtpaket! Sänger Mat Maurer als Vollprofi mit viel Erfahrung ist mit Herzblut bei der Sache und geht mit einer Freude und Energie in die Show, als hätten die letzten Jahrzehnte nicht existiert.
Ich sage es mal so: Die Songs von MORTAL SIN verlangen alles ab! Von der Band selber und von den Fans. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Action bei den Fans vor der Bühne gesehen. Ich erinnere mich noch lebhaft an den Auftritt von GRINDPAD beim Thrash Speed Burn Fest in diesem Jahr. Da ging es auch rund im Haifischbecken.
MORTAL SIN haben die Fans ebenfalls erfolgreich gezündet und es kam zur völligen Eskalation, nicht nur im Moshpit, denn es gab auch diverse Crowd Surfing und Stage Diving Aktionen. Die Stimmung ist bei MORTAL SIN auf dem Höhepunkt bzw. Siedepunkt. Sogar in den hinteren Reihen bleibt kaum ein Kopf ruhig auf dem Nacken sitzen.


Basser Andy Eftichiou kommt auch sehr sympathisch rüber und interagiert mit dem Publikum. Die zwei Gitarristen Ryan Huthnance und Nathan Shea haben ebenso einen verdammt guten Job gemacht. Deshalb muss ich sagen, dass MORTAL SIN in allen Belangen mehr als überzeugt haben. Wirklich jeder Song hat gezündet wie ne Bombe. Man hat den Songs ihr Alter nicht angemerkt. Es war ein absolut genialer Auftritt und das Beste, was ich seit langem erlebt habe, was auch mal wieder am starken Sound lag. Aber dies bin ich ja dort im Kulttempel gewohnt.


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