31.07. Reimyre – SkogsrÖjet Festival

Es ist punkt 10:00 h, als ich auf die Uhr schaue. Ich bin wach, obwohl ich todmüde bin. Ich bin wach, warum? Es liegt daran, dass der Bus auf einem Platz steht, der zu 100% der Sonne Schwedens ausgesetzt ist. Die Klimaanlage läuft zwar auf Hochtouren, aber oben in den Kojen lädt es sich einfach nur auf. Was solls? Ich stehe auf und schaue erst mal, wo wir sind Reimyre. Schweden. Oberhalb von Norrköpping und Linköpping. Quasi irgendwo im Nirgendwo.

Das Skogsröjet Festival findet auf einer Art Schulgelände statt.

Hier ist viel Wiese und sehr viel Platz. Die Gebäude sind zwar schon älteren Semesters, aber die Innenausstattung ist echt sehenswert. Viele unterschiedliche Stühle, die alle den Kindern zugeordnet und angepasst scheinen. Also nicht wie bei uns: Standard-Stühle für alle.

Chuck Billy, Dave Eleffson, John Bush, Kurt Vanderhof bei einem Plausch mit dabei

Ebenso gibt es in den Klassenzimmern zwei Couchen und ich denke noch so: „Ach, die haben sie wegen dem Festival reingestellt.“. Dann werde ich aufgeklärt, das die Couchen für die Kinder da sind, damit sie in den Pausen es sich auch im Klassenzimmer gemütlich machen können, wenn sie keine Lust haben, raus in die Natur zu gehen. Das Gelände hat im Kern alles… Spielplatz, Wiese, Wald, Laufstrecke… und das hier in einer absolut ländlichen Gegend. Schon sehr krass.

Das Gelände ist echt gut aufgeteilt. Ich hätte geschätzt, dass man mit 6000-8000 Leuten ein Kapazitätsende gefunden hätte. Es stehen zwei Bühnen nebeneinander, die abwechselnd bespielt werden. Ist die eine Band fertig, dann startet die nächste Band. Wir teilen uns die Bühne heute mit ROSE TATTOO, was mich schon alleine hibbelig werden lässt. Wie geil ist das, wenn die Wild Boys nach den LA Hooligans auf die Bühne gehen. Zum Abschluss kommen dann TESTAMENT und AVANTASIA auf die Bühne.

Es gibt ein paar Händler mit sehr großer Auswahl. Ein paar Essensstände und eine Brauerei bietet eine Chill Out Zone für Gäste an. Dort kann man in den Schatten oder sich einen Liegestuhl greifen. Insgesamt ein total chilliges und gemütliches Festival. Auch die Fans sind sehr gechillt und es macht einfach Spaß, hier auf dem Land zu sein. Ich genieße das und freue mich auf das, was heute noch kommen wird.

Das Essen

Jetzt kommen wir mal zu etwas, was auch etwas ist, was viele da draußen vergessen: Das Essen. Grundsätzlich heißt es: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“. Gestern in Kopenhagen war sich niemand sicher, was da sein soll, was wir gegessen haben. Die einen sagten es sei „Chicken“ die anderen wiederum meinten, das es alles sein könnte, aber definitiv kein „Chicken“.

Wir haben schon alles erlebt. Nicht selten hatten wir gerade mal ein paar Sandwiches auf dem Tisch oder das Essen wirkt so unappetitlich, das man sich doch nach etwas anderem umschaut. Selten hat man eine ausgewogene Mahlzeit. Obst oder Gemüse fehlen oft, aber dafür sind Chips und Gummibären sehr schnell auf dem Tisch zu finden… ebenso Schokolade und eigentlich immer Alkohol. Alkohol kriegt man Standard… ob Wein, Schnaps oder Bier… Alkohol ist überhaupt kein Problem.

Der Auftritt in Schweden

Heute ist um 17:30 h Bühnenzeit und man muss sich mal vorstellen, dass ARMORED SAINT erst zum zweiten Mal in ihrer Karriere in Schweden spielen. Demnach ist der Platz zu Beginn auch nicht gut gefüllt. Aber… ARMORED SAINT verstehen ihr Handwerk bestens und holen sich die Leute. Die Setlist ist nochmal überarbeitet worden, aber dennoch fängt man mit „Close to the Bone“ an, was generell sehr gut bei den Leuten ankommt. Ehe es losgeht, holpert es heute ein wenig. Der Empfänger von John´s „InEar“ ist im Backstage liegen geblieben. John hatte ihn auf der Bühne erwartet, aber er lag vorbereitet im Backstage.

Also ab im Schweinsgalopp in den Backstage gerannt und zurück. Da läuft auch schon das Intro. Wo ist das Mikro? Ich finde es schnell und kann es John geben. Auch Gonzo verpasst fast seinen Einsatz, da er von einem Crewmitglied einer andere Band angesprochen wird und der ihn quasi nicht gehen lassen will. Ganz knapp schafft es Gonzo noch und springt hinter sein Schlagzeug. Das wackelt vielleicht am Anfang noch, aber den Knallern wie „Can U Deliver“, „Reign of Fire“ oder „Last Train Home“ merkt man den Stress überhaupt nicht an. Am Ende werden Armored Saint mit Standing Ovations verabschiedet und können den Auftritt als Erfolg verbuchen.

Erkenntnisse

Die Band ist sich einig: „Wir haben Skandinavien viel zu sehr vernachlässigt. Das war doof von uns“. Das bemerkt auch ein finnischer Journalist, der die Band darüber informiert, das er seit Jahren schon probiert die Band nach Finnland zu holen, was aber nicht möglich sei, da die Gagenforderungen viel zu hoch wären. Über 40 Jahre im Geschäft und dennoch gibt es immer wieder Baustellen. Auch bei etablierten Bands. Nach uns gehen parallel METAL CHURCH auf die andere Bühne. Auf die Band wurde gewartet, was den Unterschied zeigt, wenn man in Schweden „well known“ ist. Es ist ja nicht das erste Mal, das METAL CHURCH in Schweden sind.

Mein letzter Akt ist heute, das Merchandise abzurechnen. Ich zähle gemeinsam mit dem Merch Team vom Skogsrojet Festival die Sachen gegen und ermittle die Einnahme des heutigen Tages. Dann sammle ich die restlichen Sachen ein und bringe sie in den Bus. Der Bus fährt gegen 6Uhr los nach Göteborg, solange können wir in Rejmyre stehen bleiben.

Qual der Wahl

Im Bus sprechen wir über die morgige Show in Göteborg zusammen mit METAL CHURCH und TESTAMENT. ARMORED SAINT sind der Opener und haben leider nur 40 Minuten Spielzeit. John und Joey gehen die Setlist durch und es herrschen unterschiedliche Sichtweisen. Da sie keine richtige Entscheidung treffen können, darf ich etwas sagen. Meine Worte sind dann wie folgt:


„Stellt euch vor, ihr wärt QUEEN und ihr spielt 30min in Wembley. Ihr habt nur diese Zeit und nicht mehr. Denkt über eure Historie nach und das euer Set ein blanker Schlag in die Fresse sein muss. Viele werden euch morgen nicht auf dem Schirm haben. Sie haben euch vielleicht noch nie gesehen. Schreibt die Setlist so, dass sie zu eurer energiegeladenen Show passt. Das ihr jeden mitnehmt, ob er es will oder nicht.“.

Nach den Worten sind die Jungs sich einig… der Song rein… der raus… der rein… der raus… 8 Songs… zack einen in die Fresse. Das muss sitzen. Ich bin auf morgen gespannt.


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