Dresden – Day Off

Einen Tag frei! Das klingt romantisch und sehr vielversprechend, oder? Die Wahrheit des freien Tages sieht für mich wie folgt aus:

Wir waren um 02:30 h in Lund los in Richtung Fähre. Dort sollen wir um 06:30 h auf die Fähre fahren und haben dann 2,5 Std. überfahrt nach Deutschland. Der Bus kommt um 05:30 h am Fährhafen an und ich muss auf´s Klo. Da noch fast eine Stunde Zeit ist, bis wir auf die Fähre fahren, lege ich mich nochmal ins Bett. Scheiß auf Sonnenaufgang oder andere Romantik. Schlafen ist gerade das absolute Topthema, das mich interessiert.

Der Körper holt sich, was er braucht… ne Mütze Schlaf!

Es ist 11:00 h, als ich auf mein Handy schauen und sehe, das ich gut 30 WhatsApp Nachrichten und 6 Anrufe in Abwesenheit habe. Der Bus fährt in Richtung Dresden und wir sind eine knappe Stunde von Berlin entfernt. Hääää? Wir hätten doch auf der Fähre aus dem Bus gemusst?

Da ich aber so tief und fest geschlafen habe, war ich trotz diverser Weckversuche nicht wachzubekommen und bleibe in der Koje zurück. Ein derbes Einzelschicksal? Nein, es geht mehreren Leuten so. Die letzten Tag mit Temperaturen um die 39 Grad und den dauerhaften Belastungen von Auf- und Abbau der ganzen Materialien und den Umstand nie Ruhe finden zu können, geht auf die körperliche und psychische Substanz.

Der Schrittzähler glüht…

Inzwischen sind 2 Hosen komplett verschwitzt und nicht mehr zu gebrauchen und ebenso sind 13 T-Shirts mit Salzrändern voller Schweiß nicht mehr genießbar und warten auf eine Wäscherei. Was einen auch körperlich zusetzt ist der Umstand, dass man draußen über 30 Grad hat und im Bus dann auf 20 Grad runter gekühlt wird. Irgendwie sind die Körper dann doppelt so müde. Weiterhin muss ich persönlich nach einer Woche Tour die Resonanz ziehen, das ich in einer heimischen Arbeitswoche leider nur 5-6000 Schritte pro Tag schaffe, da ich fast den ganzen Tag am Schreibtisch sitze und aktuell auch keinen Sport zum Ausgleich betreibe.

Hier auf Tour ist ein Tag unter 17.000 Schritten kaum darstellbar. Mein gebrochener Zeh macht Gott sei Dank gut mit und ich habe die letzten Tage die Spaziergänge in die Stadt vermieden, was ich persönlich sehr schade finde. Allerdings will ich die Tour auch überstehen und muss dann abwägen, ob ich jetzt einen auf „Sightseeing“ mache oder mich dann besser schone und mit einem Buch in die Ecke verdrücke.

Ein Bus ist keine Rakete…

Der Tag frei sieht also so aus, dass wir bis 15.30Uhr im Bus sitzen, da wir bis nach Dresden müssen. Wir sind mit dem Bus und einer Richtgeschwindigkeit von ca. 80km/h unterwegs. Das zieht sich also und geht auf die Substanz. Wir stehen aktuell an einem Rastplatz, da der Fahrer seine Pause von 45 Minuten machen muss. Diese wählt er immer so, dass wir die Sanitäranlagen nutzen können und ggf. noch eine Kleinigkeit wie Brötchen oder ähnliches kaufen können.

Was sonst noch so anfällt….

Als wir um 15.30Uhr ankommen, verziehe ich mich in ein Hotel, das ich mir extra gebucht habe und setze mich direkt an den Rechner. Es sind unzählige Mails reingekommen und viele müssen beantwortet werden, weil Sachen drängen. Ware zu diversen Festivals muss fertig werden, andere Kunden haben ebenfalls Tourstart und es hängt hier und da.

Für mich ist um 19.30Uhr Schluss und ich klappe den Laptop zu. Während die Band und Teile der Crew entscheiden, nach Dresden in die Innenstadt zu fahren, bleibe ich hier am Hafen von Dresden und gehe vor Ort etwas essen. Wir haben 03:00 Uhr Nachts und ich sitze an meinem Tagebuch und rekapituliere den Tag. Es war ein „freier“ Tag, aber das hat für mich nur bedeutet, dass ich kein Merchandise verkaufen musste und keine schweren Kisten und Cases verladen habe.

Ansonsten ist es für mich ein Arbeitstag wie jeder andere auch. Da ich das Zimmer genommen habe um in Ruhe meine Sachen erledigen zu können und meine Wunden zu lecken, habe ich nicht die Möglichkeit, mich mit den anderen Jungs zu sozialisieren, was mir irgendwie wehtut, denn aktuell ist die Gemütslage so, dass ich gerne mit den Jungs unterwegs bin und mich unterhalte und Blödsinn mache.

Morgen haben wir noch einen Tag. Wir sind 2 Tage in Dresden. Ich habe mein Hotelzimmer aber nicht verlängert, da wir inmitten der Nacht nach Josefov in der Tschechei losfahren werden. Auch wenn ich den Tag über im Zimmer hängen könnte: Ich entscheide mich dagegen. Wie gesagt… wir haben jetzt kurz nach 03:00 h und ich werde mich gleich nochmal hinlegen und versuchen zu schlafen. Um 12Uhr muss ich dann das Zimmer verlassen und gehe zurück in den Bus.

Mal schauen, was der morgige Tag so bringen wird?


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