05.08. Josefov – Brutal Assault
Eine Schaukelfahrt
Pünktlich wie die Maurer, fährt der Bus Nachts um 02:00 h in Richtung Josefov/Jaromer in Tschechien los. Es sind zwar nur knapp 150km bis zum Ziel, aber die Fahrt zieht sich endlos, da einige Leute auf dem Weg in Richtung Tschechei sind. Weiterhin fahren wir den Großteil der Strecke über irgendwelche Landstraßen und nicht selten, schaukelt der Bus nicht weniger, als es so manches Krabbenfischer Schiff auf der Beringsee. Schon im 06:00 h denke ich, das wir gleich da sind, aber wir stehen im Anreisestau vom Festival und nehmen schaukelnd gefühlt jedes Schlagloch der Strecke mit. Es schaukelt hin, es schaukelt her… und pieseln muss ich umso mehr. Also hieve ich mich aus der Koje und gehe in Richtung Klo. Nein… es erinnert mehr so an diesen Song der Rodgau Monotones: „Es ist wie ein Schritt vorwärts und zwei Schritt zurück“. Bremse hier… Kurve da… Gas dort… Bremse… endlich… Tür… einmal vor den Rahmen knallen und rein in die gute Ablassstube.

Kohle gerne sofort
Ich laufe wieder zurück. Es schaukelt… ich sitze auf der Couch… ob ich will oder nicht. Der Kurve konnte ich nichts entgegensetzen und ich werde auf die Couch befördert. Es braucht etwas und ich liege im Bett. Einschlafen kann ich aber nicht mehr. Als wir um 08:00 h unsere Parking Position erreicht haben, versuche ich das Merchandise los zu werden, damit es entsprechend aufgehangen wird. Das klingt so einfach. Aber es sind so viele Fragen da… „Warum kommt das jetzt erst?“, „Warum habt ihr es nicht geschickt“… „Wie lange soll das hängen?“… und dann die wichtigste Frage von allen… „braucht ihr eine richtige Abrechnung?“ Kurze Erklärung:
Ja= „Dann dauert die Abrechnung zwei Wochen und wir zahlen erst danach das Geld aus“
Nein= „Wir rechnen heute Abend per Quittung ab und ihr könnt das restliche Merchandise wieder mitnehmen“.
Bisher habe ich zu allem und jedem eine Quittung oder Rechnung bekommen. Ich sammle sogar die Sanifair Bons, um am Ende zu sehen, was mich Pipi und Kaka machen „on the road“ gekostet hat. Aber… ich habe keinen Bock 2 Wochen auf die Abrechnung zu warten und ebenso auf das restliche Merchandise, das wir für die kommenden Shows ja noch brauchen. Also… Lösung: Nein. Quittung reicht.

BRUTAL ASSAULT im Dauerfeuer
Habe ich mal erwähnt, das ich nie ein Fan vom Brutal Assault Festival war und auch nie sein werde? Für mich ist das ein riesiger Durchlauferhitzer an Bands. Das Non Plus Ultra an Bands, die gebündelt auf zig Bühnen in einer alten Festung spielen. Alleine auf unserer Bühne sind es heute 11 Bands, die aufspielen werden. Beginn 13:30 h -> Ende 02:00 h. Insgesamt sind es heute 36 Bands, die auf 4 Bühnen spielen werden. Das ganze mal 4 Tage. Da es sich beim Festivalgelände um eine alte Festung ist, gefällt mir der Begriff „Dauerfeuer“ sehr.
Kacken und Saften


Die Klo´s sind eine Art Dixi mit Glasdach… auch hier das feine Motto: „Kacken und Saften“. Wir haben 09.00Uhr und es sind schon 36Grad da draußen. Glücklicherweise muss ich auf´s Klo und ich liebe es, wenn ich danach mit dem Ar*** an der Klobrille festklebe. Gut, das ich mein Handtuch gleich mitgenommen habe und direkt unter die Dusche springe. Als ich am Bus angekommen bin, merke ich nicht mehr, dass ich unter der Dusche war. Es ist so warm draußen… im Bus mit Klimaanlage möchte man das nicht so richtig merken, aber es ist echt super warm und wir bekommen den Hinweis auf eine „Hitzewarnung“ und das es über 40 Grad werden sollen…
Kleine Probleme zwischendurch
Es ist 13.30Uhr und ich bin noch mal im Bus weggeschlafen. Die Band und die anderen Jungs sind schon auf dem Weg zur Bühne, als ich die Nachricht bekomme, das einer meiner Kunden auf sein Merchandise wartet, da morgen die Tour für ihn losstartet. Jetzt wird es etwas heiß, denn die Ware sollte längst zugestellt sein. Nach einigem Recherchieren finde ich heraus, dass exakt in dem Moment, in dem ich UPS anrufen will, die Ware zugestellt worden ist. Gerade so im Zeitfenster. Puuuh. Entspannung? Nein.

Schuhe an und los Richtung Bühne. Ich laufe durch die pralle Sonne und habe das Gefühl, das dieses Gelände kein Ende mehr hat. Als ich um 14.30Uhr an der Bühne ankomme, spielen die Jungs noch nicht. Technische Probleme… ein Amp verweigert den Dienst und es muss schnell Ersatz besorgt werden. Es ist wirklich extrem heiß. Ich latsche auf die Bühne und bekomme mit, wie Hektik herrscht. Der Amp von Jeff verweigert den Dienst und es wird Ersatz herangeschafft. Endlich kann es losgehen. Die Wärme ist auf der Bühne durch das dunkle Dach, noch mehr zu spüren. Man schwitzt schon, ohne sich zu bewegen. Das Thermometer zeigt dezente 43 Grad an… alle Fragen sind somit erledigt. Die Hitzewarnung war ja bekannt.
ARMORED SAINT
Das Intro startet und Armored Saint starten mit „Close to the Bone“ ins Set. Vor der Bühne geht direkt der Mob los und die Fans nehmen die Band wieder einmal sehr gut an. Es ist das dritte Mal, dass wir hier zu Gast sein dürfen. Inzwischen kann man die Band als eine Art „Stammgast“ ansehen. Mit „March of the Saint“ feuern die California Metal Dudes das nächste Geschoss ab, was bei den Fans noch einmal besser ankommt und lautstark mitgesungen wird. Auch „Win Hands Down“ oder vor allem „Creepy Feelings“ werden frenetisch gefeiert. Der Mitsingpart kommt so geil an, das ich sogar Gänsehaut bekomme… wer Gänse haut, der schlägt auch Enten.

Burn Out beim Handy
Ich stehe draußen auf dem Platz und Filme mit dem Handy mit, bis das Display einmal hell erleuchtet und mir eine Hitzewarnung durchgibt mit dem Hinweis, das „System wir heruntergefahren“. Ende aus. Dem Handy ist es zu heiß und wenn ich ehrlich bin: Mir auch. Ich schaue mir das restliche Set von Armored Saint nicht mehr an, da die Bühne inmitten der prallen Sonne steht und es keine Chance auf einen schattigen Platz gibt. Ich muss nicht mehr jede Show sehen, zumal ich ja morgen wieder im Saal stehen darf, wenn ARMORED SAINT im Turock aufspielen werden.
Ich laufe zum Bus zurück und setze mich erst mal in die kühle Umgebung. Im Bus versuche ich, das Handy wieder neu zu starten, aber Fehlanzeige. Es ist tot. Ich lege es in den Kühlschrank für knappe 10min. Erneuter Versuch und… das Handy kommt zurück ins Leben. Gott sei Dank. Und direkt wieder Nachrichten und Anrufe in Abwesenheit… ächz.
Shirt-Verschleiss
Nach einer Weile ist klar: Ich brauche ein neues Shirt. Das aktuelle ist durch… und ich hänge es nach draußen zum trocknen. So wie es da hängt und mich ein paar Leute komisch anschauen, gehe in den Bus. Es ist zu heiß, mein Gehirn verweigert den Dienst. Es ist das „Awaken the Guardian“ Shirt von der Keep it True Show von vor gut 10 Jahren… ich renne raus und hole das Shirt schnell wieder rein, bevor es weg ist. Einer der Securities sagt zu mir: „Gut, das du es wegnimmst. Es haben schon ein paar Leute gesagt, dass wenn es gleich dort noch hängt, dann nehmen sie es mit.“. Ich hänge es dann doch lieber im Bus auf und lasse es hier trocknen, ehe es in den Wäschesack kommt.
Abenteuer Essen
Ich hatte ja das Essen schon mal angesprochen und das wird heute komplett getoppt. Frühstück ist noch ok. Bei dem Rührei frage ich allerdings, ob es wirklich vom Huhn sei… es könnte auch von einer Kuh oder einem anderen Tier sein. Egal… es wird mir versichert, dass es vom Huhn sei. Ändert nichts an dem Umstand, dass ich am Ende bei Cornflakes und Milch lande.
Das generelle Mittagsessen wird dann draußen in einem „Zelt“ zubereitet. Wegen solche Aktionen werden in Deutschland Leute eingesperrt und in den Knast gesteckt. Hier ist es ein Standard. Das Essen besteht aus drei verschiedenen Menüs… es gibt „Seitan“, Hühnchen und Burger. Die meisten von uns wählen den Burger und genau das wird einigen zum Verhängnis… „Rare“, „Medium“, „Well Done“… irgendwie sehen die Burger alle eher nach Mettbrötchen mit Knusperschicht aus. Selbst den Kollegen aus dem Ami-Land ist das dann zu „Rare“ und sie bringen den Burger noch mal zurück. Statt das Fleisch noch mal auf den Grill zu legen, landet es im Müll und es wird ein neuer Burger gemacht. Der wieder nicht gelingt…
Dies führt dann dazu, dass einige dieses „Mett-Burger-Brötchen“ essen und andere werfen es dann selbst im Müll. Mein Burger ist so „Well Done“… mehr geht nicht. Das Teil hätte man auch als Geschoss bei der Infantrie benutzen können. Ich esse es zur Hälfte auf, um dann doch aufzugeben….es geht einfach nicht. Am Ende bereue ich es sogar, einen Teil dieses Produkts meinem Magen aufgezwungen zu haben. Dafür bekomme ich dann auch ne Quittung: Ich habe Bauschmerzen und kriege eine Art Durchfall. Unseren Busfahrer trifft es so schlimm, dass er den Rest des Tages in der Koje verbringt und sich mehrfach übergibt. Wir warten bis 00:00 h und fahren dann in Richtung Essen. Dieser Tag hat es echt in sich gehabt und wir sitzen noch knapp eine Stunde zusammen und freuen und wirklich total auf Essen. Die wirklich erste HEADLINER Show der Band, auf dieser Tour.
So beware… there´s Danger in the Air!

Schreibe einen Kommentar