06.08.2026 Essen Turock
Ohne Backline geht’s nicht!
Wir sind die ganze Nacht durchgefahren. Es gab einen Stopp bei Prag, wo der Bus nochmal aufgetankt wurde und dann ging es über die Route via Dresden, Leipzig, Kassel in den Ruhrpott nach Essen. Ehe wir zum Turock gefahren sind, müssen wir einen Stopp bei Captured Live in Essen einlegen. Captured Live ist der größte Backline Verleiher, den wir in Deutschland oder gar Europa haben. Hier bekommen die Musiker alles für die Tournee, was sie brauchen. Sprich: Ihr seht eine amerikanische Band auf einer deutschen Bühne mit Gitarren und Bassboxen oder gar mit Keyboards und Drums: Dann seid euch sicher, dass diese Sachen bei einer Backline Firma gemietet wurden.
Kein Musiker kann sein Equipment auf Amerika, Brasilien oder sonst woher einfliegen lassen. Sprich: Hier geht das erste Geld schon mal weg, ehe du es überhaupt verdient hast. Das ist nicht negativ gemeint, aber es gibt so unendliche viele Kostenfaktoren, die auf einer Tournee anfallen. Bei ARMORED SAINT ist es nicht anders. Einige Drumsachen müssen verändert und ausgetauscht werden. Dann war uns der Vorverstärker von Jeffs Amp abgeraucht, weil es eine unterschiedliche Stromspannung zwischen Europa und den USA gibt. Auch hier musste Geld auf den Tisch gelegt werden, damit am nächsten Abend überhaupt wieder ein Ton aus der Box kam.
Was aber ist der Vorteil an einer Backlinefirma, bei der du Equipment mietest? Exakt: Die Sachen sind versichert und es gibt binnen kürzester Zeit einen Ersatz, wenn dein Amp oder irgendwas anderes kaputtgeht. Das ist ein unbezahlbarer Punkt. Geht dein eigener Amp auf Tour kaputt und du hast keinen Ersatz, dann ist die Show auch mal schnell in Gefahr. Da wir wie gesagt ins Turock müssen, bietet sich der Stopp bei Captured Live an. Natürlich ist es auch der perfekte Boxenstopp, um mal eben die sanitären Anlagen zu benutzen. Wie die Fliegen strömen diverse Leute aus dem Bus, um „mal eben“ schnell auf´s Klo und dann wieder in die Koje zu springen. Dieser Umstand verhindert, dass ich selbst die Anlage sprenge. Verdammt. Wir müssen weiter und ich schaffe es nicht, das Klo zu besuchen.
Autogrammjäger lauern vor Ort
Wir erreichen das Turock und als der Bus die „Parkposition“ erreicht hat, schauen wir uns diverse Schauspiele an, welche die Polizei mit jungen Passanten hat. Vor dem Bus stehen die üblichen Autogrammjäger, von denen man dann am Ende des Tages keinen im Club sehen wird. Ich frage mich immer, was die mit den 1,5 Millionen Autogrammen der Bands so machen? Bei Ebay versteigern? Scheint ein gutes Geschäft oder absolute Leidenschaft zu sein. Es ist besser, wenn man nicht darüber nachdenkt.
Abstecher ins benachbarte Cafe Nord
Wir sind zu früh da und erst in Stunden öffnet der Club seine Türen, damit wir samt unserem Zeug rein können. Ich nutze die Gunst der Stunde und packe meine Tempo Toilettentücher ein. Es geht in Richtung Nord und mit einem fröhlichen: „Moin, ich muss mal eure Örtlichkeiten aufsuchen“, begrüße ich den guten Mann hinter dem Tresen. Da wir Zeit haben, setze ich mich ins Cafe Nord und trinke mir gemütlich ein Malzbier und esse eine Kleinigkeit. Aus der Situation das Beste machen, oder?
Willkommene Unterstützung
Als wir 14.30Uhr haben, geht der „Load In“ immer noch nicht los, da heute irgendwie der Wurm drin ist. Wir starten erst gegen 15.00Uhr damit, die ganzen Sachen in den Club zu bringen. Für mich ist das nicht ganz so schlimm, denn ich kann recht fix meinen Stand aufbauen. Heute geht es sogar noch etwas schneller, da meine Frau Nina zu Besuch kommt. Hatte ich erwähnt, dass auf dem Flug der Band eine Tasche verloren ging? Auf jeden Fall ist diese inzwischen aufgetaucht und nachgeliefert worden. Adressat war Nina Sosna und sie bringt die Tasche heute nach Essen. Ebenso hat Nina noch andere Sachen dabei, die wir brauchen. Das weiße Trikot war in den ersten Größen schon ausverkauft und wir hatten welche nachdrucken lassen. Am Ende der Show sind die nachgedruckten Sachen bereits wieder ausverkauft. Unfassbar.

Support DEMON DROWNER
Wir haben heute einen musikalischen Gast: DEMON DROWNER. Ich hatte die Band vor ein paar Wochen in den Ring geworfen, weil wir für Essen einen Support gesucht haben. Mich haben ein paar Leute angesprochen, warum wir nicht mit Ravenstine im Vorprogramm von ARMORED SAINT gespielt haben? Das liegt an folgenden Dingen:
- ich hätte meine Jungs einfliegen lassen müssen
- Ravenstine und Armored Saint passen meiner Meinung nach muskalisch nicht zwingend zusammen
- ich arbeite für Armored Saint und möchte das ungern vermischen
Meine Mission ist es Merchandise zu verkaufen und nicht, dass ich mit meiner Band vor den Jungs noch zusätzlich den Anheizer mache. Weiterhin bin ich der Meinung, das DEMON DROWNER die Möglichkeit verdient haben und diese auch wirklich gut nutzen.
DEMON DROWNER bekommen am Ende eine Menge Applaus von den Fans und ganz ehrlich: Songs wie „Demon Drowner“ oder „6 6 Thicker than you“ oder „Heavy Metal must be dangerous“ sind klasse Songs, die ich immer wieder gerne höre. Zudem ist Sängerin Vera ein absolute Rampensau und den Job als Anheizer, machen DEMON DROWNER nahezu perfekt. Das wird der Band auch im Absatz an Merchandise gedankt und auch bei mir verirren sich etliche positive Kommentare zur Band. DEMON DROWNER sind halt anders und man merkt ihnen an, dass sie Spaß an dem haben, was sie machen. Alle in der Band strahlen über beide Ohren und ich freue mich tierisch für die vier.

„Delivering the Goods“ leitet dann etwas Großes ein. Gute 350Leute haben sich im Sommerloch, trotz Party San und zig anderen Festivals ins Turock aufgemacht. Sie sollten Zeugen von einem ganz besonderen Abend werden, denn es war erst die zweite Headlinershow für ARMORED SAINT zu Emotion Factory Reset in Europa. Die erste war auf dem Rock Hard Festival und jetzt sollte es in Essen eine Wiederholung geben.
ARMORED SAINT sind so heiß wie selten zuvor.
Im Backstage merkt man schon, dass heute ein ganz anderes Feeling da ist. Der Club ist der Band vertraut und alle haben richtig Bock auf den Abend. Ich will echt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber der Abend ist echt magisch und die Fans bereiten der Band den geilsten Abend der Tour. Selten wurde so oft bei Shows mitgesungen. Der Opener „Close to the Bone“ wird gut angenommen, aber der direkte Anschluss mit „March of the Saint“ lässt bei mir die Ohren klingeln. Meine Fresse ist das ein Feedback. Die Fans haben Bock und sehen eine der besten Livebands auf diesem Planeten. Mit jedem Song steigert sich die Band und am Ende sind es 90minuten Vollbedienung. Wahnsinn. Das wird euch fast jeder bestätigen, der am Abend da war… fast jeder, denn: Es gibt immer wieder Meckerköppe, denen nichts gut genug ist.

Merch geht weg wie warme Semmeln
Ich habe am Stand alle Hände voll zu tun und muss leider öfter den Satz sagen: „Sorry, das weiße Trikot ist in XL oder XXL schon ausverkauft“. Das Ding erfreut sich einer solchen Beliebtheit, das es schneller als erwartet weggeht.
Auch mal zur Erklärung: Wir hatten die Produktionsmenge in 4 Teile aufgesplittet:
- Nach Schweden zum Skogsröjet Festival
- Zum Alcatraz Festival
- Zum Keep it True nach Geiselwind
- Unseren Part für die Clubshows
Das bedeutet, dass wir auf zb. auf dem Alcatraz Festival das Trikot super verkaufen, es aber XXL am Ende noch als einzige Größe zurück gibt. Sprich die Fans in Zoetermeer haben jetzt auch wieder ein paar XXL Shirts zur Auswahl im Programm. In Essen waren diese leider komplett weggegangen. Das bedeutet, dass wir vielleicht auch auf dem Keep it True ein paar Teile als Overstock wieder zurück bekommen werden, was dann die Fans für die restlichen Shows in Polen und Slowakei freuen dürfte. Wir haben jetzt keine Möglichkeit mehr, Ware nach zu produzieren. Der Drops ist gelutscht.
Es war ein toller Abend in Essen…
…und ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich einige Gesichter wiedersehen durfte. Leider ist es aber so, dass ich nicht viel Zeit für Gäste hatte. Meistens hat sich das auf ein „ShakeHands“ reduziert und mehr war nicht drin. Ebenso muss ich mit Ü50 feststellen, dass meine Ohren im laufenden Konzertbetrieb nicht mehr so geil mit machen. Sich bei lauter Musik zu unterhalten, fällt mir zunehmend schwerer.
Nina verabschiedet sich bei der Band und wird von allen nochmal umarmt. Irgendwie ist es wie eine kleine Familie geworden und jeder hat sich gefreut, dass Nina da war. Wir sprechen auch im Bus darüber, dass es toll war, das Nina da war und das sie immer helfend zur Stelle ist, wenn man sie braucht. Ich habe mich gefreut, dass ich mit Nina zusammen das Merchandise vorbereiten und zählen konnte. Das war super und bekanntlich sind 4 Hände schneller als zwei.
Ich gehe traditionell als letzter unter die Dusche und genieße das heute total. Das Turock hat ein echt tolles Badezimmer und die Dusche ist sehr groß und einladend. Als wir im Bus sitzen, ist die Stimmung super locker und wir quatschen noch alle miteinander, ehe es Stück für Stück ins Bett geht. Der Bus wird zeitnah nach Belgien zum Alcatraz fahren, da wir dort den ganzen Tag stehen können und quasi aus dem „Brennpunkt Essen“ entschwinden können. Wie man so schön sagt: Das Stadtbild in Essen hat sich ein wenig verändert und das nicht zum Positiven.

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