Gastbeitrag
Konzertbericht von Martin Sosna
Wie oft liest man, das Shows abgesagt werden, weil der Vorverkauf so schlecht läuft? Oft, oder? Schon im Vorfeld war zu vernehmen, das die Show von REZET/𝐄𝐑𝐀𝐃𝐈𝐂𝐀𝐓𝐎𝐑 /𝐈𝐍𝐅𝐄𝐒𝐓𝐀𝐓𝐈𝐎𝐍 schlecht laufen würden und ja, was soll ich sagen? Auch mein Freund Roland und ich, haben uns sehr kurzfristig entschieden, nach Oberhausen ins Helvete zu fahren. Um es vorweg zu nehmen:
Wir waren froh und sind immer noch dankbar, dass dieses Konzert stattgefunden hat. Großes „Hallo“ im Helvete.
Mit Thorsten aus Arnsberg treffe ich direkt auf das erste bekannte Gesicht und es ist nicht das letzte. Immer mehr bekannte Gesichter tauchen im Helvete auf, aber einige Gesichter, wie zum Beispiel die der Ruhrpott Metalians, vermisst man fast schon schmerzlich.

INFESTATION
Maurice von 𝐈𝐍𝐅𝐄𝐒𝐓𝐀𝐓𝐈𝐎𝐍 ist bestens gelaunt, auch wenn er gleich mit seinen Jungs die Bühne als Opener entern muss. Um die Jungs aus Schaumburg ist es in letzter etwas ruhig geworden und es gab wohl auch personelle Veränderungen, was aber leider ganz normal ist, wenn du als Band im Underground unterwegs bist und bei den Shows eher drauflegst, als das du Geld damit verdienst.
In einer vierer Besetzung gehen 𝐈𝐍𝐅𝐄𝐒𝐓𝐀𝐓𝐈𝐎𝐍 auf die Bühne und ganz ehrlich:
Auch wenn die Rhythmus Gitarre schmerzlich vermisst wird, so geben die Jungs direkt Gas und machen keine Gefangenen. Mit „1,2 – Fuck You“ ist das Motto des Abends schnell klar gemacht und die Schaumburger dreschen sich munter fröhlich durch das Set. Während alle Vollgas geben, muss die Stimme von Maurice einige Male kämpfen, so dass auch bei dem kräftig mitgesungenen „Wachturm“ von Sodom, die Stimme einige Male wegkippt.

Das tut der Stimmung allerdings keinen Abbruch und 𝐈𝐍𝐅𝐄𝐒𝐓𝐀𝐓𝐈𝐎𝐍 werden mit jedem weiteren Song gefeiert. Selbst der neue Song „Rapid Fire“ wird von den Fans bestens aufgenommen und es ist das richtige Signal zur richtigen Zeit.
Am Ende muss man der Band attestieren, das 𝐈𝐍𝐅𝐄𝐒𝐓𝐀𝐓𝐈𝐎𝐍 trotz aller personellen Probleme einen richtig guten Auftritt geboten haben, der aber auch noch Luft nach oben lässt. Die Band steht nach dem Auftritt am Merchandise Stand und hat regen Zulauf, was mich sehr freut. Sänger Maurice verrät, das Infestation am 13.03.2026 mit Victim im Don´t Panic spielen werden.
Das ist schon mal im Kalender vermerkt!
ERADICATOR

Sauerland… mein Herz schlägt für das Sauerland… und es ist mit 𝐄𝐑𝐀𝐃𝐈𝐂𝐀𝐓𝐎𝐑 bester in Schalker Hand. Hier könnte der Opener gut „Es geht ab wie die Feuerwehr“ heißen. 𝐄𝐑𝐀𝐃𝐈𝐂𝐀𝐓𝐎𝐑 sind für mich wahre Szene Vorbilder, wie auch Traitor. Es ist eine Art „Gang of Brothers“, mit Jungs, die seit Jahren durch dick und dünn gehen und wo der eine für den anderen einsteht. So etwas ist sehr seltenes Gut und ich persönlich feiere das total ab.
Gibt es eine Steigerung von geil? „Madness is my Name“ ist Programm.

Die Thrasher aus Olpe/Siegen, um Frontschreihals/ Klampfer Seba Stöber, spielen so schnell, das man bei Drummer J.P. schon Hubschrauber-artige Dimensionen erkennen kann. Im besten „Airwolf“ Stil kloppt der gute Mann auf die Kessel und ich frage mich:
„Hat die Band einen internen Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer schneller fertig ist?“. Hebt das Drumkit gleich wie ein Hubschrauber ab und düst über uns hinweg oder…
…beißt Drummer J.P. sich gleich die Zunge ab, die immer wieder zum Vorschein kommt. Bei den Geschwindigkeiten kein Wunder. Wahnsinn! Seit Jahren ist kein ICE Zug der Deutschen Bahn mehr so schnell durch die Republik gebrettert, wie es 𝐄𝐑𝐀𝐃𝐈𝐂𝐀𝐓𝐎𝐑 hier getan haben.

Der Jubel ist groß und die Feststellung von Seba, das der Mob morgen Urlaub hat und eine fette Thrash Party feiern möchte, trifft den Nagel auf den Kopf. Man prügelt sich Stück für Stück, präzise wie ein Uhrwerk, durch eine inzwischen 21 jährige Bandhistorie. Durchaus darf man sagen, das 𝐄𝐑𝐀𝐃𝐈𝐂𝐀𝐓𝐎𝐑 mitnichten zur „New Wave of German Thrash Metal“ zählen, sondern sie gehören zu den „alten Hasen“ in diesem Geschäft.
Es ist beängstigend zu sehen, mit welcher Leichtigkeit und Routine die Songs in die Menge gefeuert werden. Das Publikum, das inzwischen auf knapp 100 Fans angewachsen ist, kennt kein Halten mehr und feiert, als gäbe es keinen Morgen mehr.
Mit „The Paradox“ haben Eradicator im letzten Jahr ein enorm starkes Album veröffentlicht, welches auch heute Abend zum Zug kommt und entsprechend wohlwollend aufgenommen wird. Nach gut 45 Minuten ist allerdings Schluss und es gibt nichts anderes, als einen fetten Applaus.
REZET

Die Messlatte liegt sehr hoch und um es vorweg zu nehmen: 𝐑𝐄𝐙𝐄𝐓 schaffen es nicht, diese Leistung zu toppen, aber:

Man muss den Männern um Bandkopf Ricky attestieren, das sie zu einer routinierten Liveband gewachsen sind, die sehr gekonnt auf der Bühne auftritt und klar macht, das die Headliner Ansprüche zwar sehr hochgeschraubt sind, das man sich diesen Ansprüchen aber auch ernsthaft stellt. Natürlich ist es nach Eradicator nicht leicht, das Niveau zu halten oder darüber zu kommen. Das mag aber auch in der Art der Musik liegen, denn ich empfinde 𝐑𝐄𝐙𝐄𝐓 als „zarteste“ Thrash Band in diesem Trio.
Dennoch wissen die Nordlichter zu gefallen und die Fans haben morgen Urlaub und wollen feiern. Auch wenn ein paar Leute den Saal verlassen, da sie mit 𝐑𝐄𝐙𝐄𝐓 nicht ganz so viel anfangen können: Rezet gehen ihren Weg unbeirrbar und konsequent und alleine davor gilt es schon, den Hut zu ziehen.
Musikalisch muss die Band sich auch vor niemanden verstecken. Jede andere Band hätte sich leichtere regionale Kaliber als Vorband geholt, hätte ihnen einen Mindestabnahme von Tickets auf´s Auge gedrück, aber: Das ist nicht die Kragenweite von Rezet.
Sänger Ricky mag den Kampf auf höchstem Niveau und schrecken vor keinem Duell zurück. Die Kollegen Olli und Manuel schütteln ihr Haupthaar kräftig und feiern Songs wie „Duck and Cover“ oder die kultige Violent Force Coverversion „Dead City“.
Man muss aber auch zugeben, das 𝐑𝐄𝐙𝐄𝐓 die Coverversion schon lange nicht mehr im Set brauchen, da sie genug eigenes Material an den Start gebracht haben, das locker das Niveau halten kann.

Abschließend gibt es zu sagen, das 15€ VVK und 20€ an der Abendkasse, ein absoluter Schnäppchenpreis für die Sunday Thrash Matinee im Helvete waren und die Getränkepreise in dem Club von je her extrem Fanfreundlich sind.
Danke an das Team vom Helvete, dass sie diesem Paket die Chance gaben und es ein wirklich krachender Nachmittag war, der die Nackenmuskeln gut durchgeschüttelt hat.
Hat viel Spaß gemacht und so kann man beschwingt in die Weihnachtstage gehen. Am Ende gibt es nur strahlende Gesichter und die Merchandise Kasse hat bei den Bands auch ganz gut geklingelt. Frohe Thrashnachten 🙂
Bildquelle: Fotos von Martin Sosna

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