Kaum zu glauben, aber wahr! Ich habe ein Buch gelesen. Wie konnte das passieren? Früher habe ich tatsächlich viel gelesen, doch das digitale Zeitalter hat auch mich eingeholt und konsumiere viele Dinge anders als damals. Doch in manchen Dingen bin ich wieder Nostalgiker geworden. So habe ich mir vor einigen Jahren wieder einen Plattenspieler zugelegt, weil Vinyl einfach Kult ist und es eine andere Hörerfahrung bietet. Außerdem kommen die Cover Artworks besser zur Geltung. Und jetzt kam es sogar wieder zu einer Situation, in der ich mir ein physisches Buch gekauft habe.

Es geschah am zweiten Tag vom Thrash Speed Burn Fest, als Hucky und Martin vor dem musikalischen Teil der Veranstaltung einen kleinen Talk auf der Bühne zum Besten gaben. Man schwelgte in alten Erinnerungen und passend zu seinen Erzählungen erschienen im Hintergrund auf der großen Leinwand alle möglichen Fotos legendärer Bands und Musiker, die er im Laufe der Zeit fotografiert hatte. Dort konnte man visuell alle Legenden der vergangenen Jahrzehnte bewundern, wie z.B. Ronnie James Dio, Lemmy, Ozzy, Gary Moore, Lars Hetfield und soooo viele mehr. Es war super interessant, wie auch die Geschichten, die Hucky und Martin locker vom Hocker erzählten. Ich fand es so spannend, dass ich mir sofort im Anschluss beim Lacky am Merch-Stand das Buch 𝙆𝙪𝙩𝙩𝙚, 𝙆𝙖𝙢𝙚𝙧𝙖 & 𝙍𝙤𝙘𝙠´𝙣 𝙍𝙤𝙡𝙡 besorgte.

Und hier sind wir jetzt! Ich habe das Buch verschlungen und ich muss sagen, dass es meine Erwartungen voll und ganz erfüllt hat. Hucky als Zeitzeuge, der die Anfänge des Rock & Metal beschreibt und dabei sehr authentisch chronologisch seine Erlebnisse in der Rock- und Metalszene darstellt.

Geboren im Jahre 1951 mitten im Ruhrpott, in Gelsenkirchen. Das Interesse für fremdländische rebellische Musik entwickelte sich recht schnell bei ihm. In die Wiege gelegt war es wohl nicht, denn zu dieser Zeit hörten die Eltern eher so ein langweiliges „Schnulzenzeug“. Heute würde man es unter Heimatlieder oder Schlager einordnen. Hucky war aber eher Feuer und Flamme für die englischen und amerikanischen Radiosender, wo Helden des Rock ’n Roll gespielt wurden: Little Richard, Chuck Berry, James Brown, B.B. King und natürlich King Elvis.
Später entwickelte Hucky eine große Liebe zu den Rolling Stones. Es ist kaum zu glauben, wenn er schreibt, dass die Gigs solcher Legenden damals nur ein paar D-Mark gekostet hatten. So kostete 1970 ein Konzert der ROLLING STONES 20 D-Mark in der Grugahalle Essen. Als Jugendlicher besuchte Hucky so viele Konzerte wie es ihm möglich war und wenn mal keine Kohle da war, stieg man halt einfach mittels gestapelter Mülltonnen durch ein Hinterfenster in die Location ein.

An Einfallsreichtum und Kreativität mangelte es Hucky auch nicht, als es darum ging, die verhasste Bundeswehrzeit abzukürzen, welche er im Jahr 1971 im Rahmen der Wehrdienstpflicht antreten musste. Sehr interessant, was für Bundeswehr-Exit-Strategien Hucky in seinem Buch dort beschreibt. Doch genutzt hat es nix… Er wurde nicht ausgemustert.
Anschließend konnte er sich wieder voll und ganz seiner Leidenschaft widmen. Er bekam etliche Einblicke in das Leben verschiedener Bands, wobei ihm manche oder wahrscheinlich auch viele Erlebnisse besonders im Gedächtnis geblieben sind. So hatten z.B. manche Bands für immer einen Platz in seinem Herzen erobert, wie z.B. PRETTY MAIDS. Es sind Geschichten mit einem so positiven Lebensgefühl, das auch mit Eskapaden reichhaltig gespickt ist. Das Getränkt Bier kam jedenfalls oft in den ganzen Geschichten vor.



Hier möchte ich mal zitieren, was die vier Mitglieder der finnischen Band ANTIDOTE damals äußerten, als sie die erste Erfahrung in einem deutschen Getränkemarkt machgen. Angesichts des reichlichen Angebots alkoholischer Getränke riefen sie mit großen ungläubigen Augen folgendes:
„WOW! Is this the paradise?„
Hucky musste die Finnen dann überzeugen, dass in seinen Opel Kadett nicht so viel reinpassen würde, wie die Finnen gerne mitgenommen hätten. Hucky hatte in dieser Zeit auch gelernt, wie die Finnen Lakritz-Schnaps selber machten. Eine Flasche klaren Schnaps, acht Tüten Salmiak Pastillen rein und am nächsten Tag ist die „Köstlichkeit“ fertig.

Es ist auch beachtlich, bei wievielen Magazinen Hucky so tätig war und wie schnellebig die Zeit damals war. Manche Magazine wurden geboren und verschwanden dann recht schnell wieder von der Bildfläche. Bei mir wird beim Lesen der Lektüre der Eindruck erweckt, dass Hucky ein Lebemann war und auch noch ist.

Er hat sein Leben, sowohl privat als auch beruflich, voll und ganz seiner Leidenschaft gewidmet. Er war ein Mann, der immer im „Hier und Jetzt“ lebte, jede Gelegenheit beim Schopfe ergriff, wenn es darum ging, ein Teil der Szene zu sein und irgendwie sein Leben zu finanzieren. Biederer Bürojob mit Anzug und Krawatte kam für ihn nicht in Frage. Er hat das spontane, unkonventionelle, gar rebellische Lebensgefühl in vollen Zügen genossen. So war er in der Szene als Fotograf, Redakteur, Band-Betreuer und Tourmanager tätig, quasi ein Mann für alle Fälle. Und nach all den Jahrzehnten ist er immer noch ein beständiger Fan der Szene und ist stetig im Ruhrgebiet unterwegs.

Hucky beleuchtet in seinem Buch die Entstehung des Rock und Metal. Hier liegt der Fokus vor allem in der Zeit der 60’er, 70’er Jahre und einen Teil der 80’er Jahre. Damit beschreibt er zum größten Teil einer Zeit, die ich als 75’er Jahrgang nicht erlebt habe. Es ist also höchst interessant, wie er die Werdegänge mancher weltbekannten Musiker wie Eric Clapton, Jimi Hendrix, Jeff Beck usw. beschreibt. Alle heute weltbekannten Musiker haben schließlich nicht als fertige Superstars angefangen. Auch so eine Band wie YARDBIRDS, die sich im Jahr 1968 formierte, war mir bisher überhaupt kein Begriff.

Ich möchte hier nun zum Ende kommen und möchte dieses Buch euch als Empfehlung ans Herz legen. Denn es drückt für mich ein Lebensgefühl aus, was die Szene des Rock und Metal ausmacht bzw. ausmachen soll. Spaß, Freiheit, Unabhängigkeit, Rebellion sind manche der Synonyme, die mir beim Lesen in den Sinn gekommen sind. Hier könnt ihr das Buch bestellen:


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