Martin ist mal wieder auf Reisen und es hat ihn jüngst in unser schönes Nachbarland Österreich verschlagen. Und was für ein Zufall, dass dort das Defenders of Steel-Festival am alten Schlachthof in Welsstattgefunden hat. Na gut…. so ganz zufällig war es dann doch nicht. Aber lest selber….
Gastbeitrag
von Martin Sosna
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie mir ein junger Metalhead auf dem Keep It True Festival einen Flyer in die Hand drückte und sagte: „Demon… cool… das könnte für dich interessant sein“. Mein Demon-Shirt war also die Einladungskarte für die Werbung vom DEFENDERS OF STEEL-Festival, welches zum ersten Mal in diesem Jahr in Wels über die Bühne gehen sollte. Kurz die Bands gecheckt und gedacht:
„Cooles und gewagtes Line Up“
Als ich im Backstage Rick Benton traf (Keyboarder von Demon und Magnum) sagte ich aus einer Laune heraus: „Vielleicht sehen wir uns ja am 09.05.2026 in Wels, wenn ihr Live spielt“. Es kam ein freudiges: „Oh ja, das wäre doch großartig“.
Kurzerhand habe ich das Defenders of Steel angeschrieben und binnen weniger Stunden eine Antwort erhalten. Man würde sich freuen, wenn ich für Demon Merchandise anliefern würde und here we go.
Ich entscheide mich, bereits am Freitag nach Wels zu fahren. Im Grunde hätte ich auch in Linz halt machen können, da dort der erste Tag vom DOS Festival über die Bühne ging, aber: Nach gut 8 Stunden Autofahrt, wollte ich lieber den Ausblick von der Terrasse meines Appartements ins grüne Nichts genießen und ein wenig in der Natur spazieren. So nehme ich „nur“ am Defenders of Steel in Wels teil. Frühzeitig liefere ich das Merchandise an und baue alles ordentlich und gewissenhaft auf. Das Merchandise wird dann später von dem total freundlichen Defenders of Steel -Team übernommen. Ich selbst kann mir also Samstag das Festival in ganzer Länge anschauen und den Spirit aufsaugen.
Das Drumherum
Dabei muss ich dem Defenders of Steel ein großes Kompliment machen. Draußen steht ein Food Truck, der super aufgestellt ist und sehr regen Zulauf hat. Die Preise sind ebenfalls vollkommen in Ordnung und fanfreundlich. Ebenso kann ich für die Getränkepreise nur meinen Hut ziehen. Eine 0,5l Cola für 3,60€ ist eine absolute Rarität. Das Wasser kostet sogar nur 2,00€. Eine Dame hätte gerne „Stilles Wasser“, was mit einem OK aus der Leitung kommt und zahlt dafür nur den einen Euro Becherpfand. Sowas, gibt es nicht alle Tage.
Draußen sind Stände mit Tonträgern, bei denen ich freudig durchschaue, ehe ich bemerke, dass wir uns wieder auf Discogs Niveau befinden. Mir wird schnell klar, dass ich hier nichts finden werde und befasse mich mit dem Merchandise der Bands in der Halle. Viele Bands wie zb. Zepter oder Mindless Sinner bieten ihr Vinyl zu 20€ je Stück an. Wytch Hazel haben die Box von „Laminations“ mit und bieten diese für 50Euro an, was ich superfair finde. Leider hadere ich zu lange und als ich mich durchringe, endlich die Box der Band zu kaufen, da ist das Merchandise schon abgeräumt. Blöd gelaufen, Herr Sosna. Beiße mir gerade deswegen in den Hintern, denn der Auftritt der Band war extrem stark.
ZEPTER
Die Bands… also… ich hatte Stimmen zu ZEPTER gelesen und sie haben in Dittigheim beim Warm Up vom Keep it True gespielt. Leider habe ich sie da nicht gesehen, aber das sollte sich heute ändern. Die selbstbetitelte Scheibe 𝙕𝙚𝙥𝙩𝙚𝙧 ist vor kurzem via High Roller Records erschienen und hat sehr gute Kritiken bekommen. Ich lasse mich überraschen und gehe vollkommen unbefangen in die Show, die mit „Slasher on the Highway“ gestartet wird. Wenn du als erste Band am Tag auf die Bühne gehst und bereits 350 Leute im Saal hast, dann hast du verdammt noch mal viel richtig gemacht.
Noch mehr machst du richtig, wenn der Saal immer voller wird und die Fans dich immer mehr abfeiern. Die Band, die mir bis gestern noch irgendwie fremd war, sammelt einen Sympathiepunkt nach dem anderen bei mir. Der Soundmann scheint die Band zu kennen, so passt der Hall auf der Stimme absolut perfekt zur Band und zum Sound. Ich ziehe meinen Hut und das tun viele Fans ebenso. Grandioser Einstieg.
EISENHAND
Es folgen EISENHAND, die mir von vielen Leuten schon ans Herz gelegt wurden. Mit einigen Soundschwierigkeiten denke ich zu Beginn, das es in Richtung Idle Hands oder Unto Others geht, da auf dem Gesang extrem viel Hall liegt. Ist das beim Einstieg auch noch mein Gedanke, so verfliegt dieser immer mehr und mehr, da die Band an Härte und Geschwindigkeit mächtig zulegt und so leid es mir tut: Dazu passte dieser extrem heftige Hall auf dem Gesang gar nicht.
Ich halte es drei Songs aus und mache dann dass, was einige andere Gäste ebenfalls tun: Ich gehe raus an die frische Luft. Ich kann also keinen Eindruck vom Anfang bis Ende des Sets geben. Zum Ende der Show gehe ich nochmal in den alten Schlachthof rein und die Band wird von dem verbliebenen Publikum frenetisch gefeiert.
Mir erschließt sich das nicht so ganz, da ich ZEPTER als wesentlich kompakter, spielfreudiger und authentischer empfand, aber schlecht war das bei weitem nicht.
Abwechslungsreiches Line Up
Und das ist auch das Credo der Fans, die heute gekommen sind. Es geht nicht um eine spezielle Band oder ähnliches, sondern es geht um den Event als solches. Die Stilvielfalt wird sogar ausdrücklich begrüßt, wie mir ein Fan berichtet: „Ich bin aus München gekommen, da ich das Line Up abwechslungsreich und interessant fand. Wenn mir was nicht gefällt, dann geh ich halt raus. Hier ist
ja auch schön“.
VULTURE

Ich habe idiotischerweise meine Vorbehalte gegen VULTURE, da mich die Band Live nie wirklich überzeugen konnte. Den Erfolg gönne ich ihnen vom Herzen und das, was sie machen, das machen sie nach allen Belangen gut. Ein gutes Intro und dann volle Kanne Speed voraus. Es rappelt und knallt an allen Ecken und Enden und die ersten Circle Pits entstehen.
Was mir auffällt: Viel jüngeres Publikum ist in den ersten Reihen zu finden, während die ältere Fraktion den Rückzug plant. Ich bin nicht mit VULTURE bewandert, aber ich kenne einige Songs wie „Vulture“, „Unhallowed“ und „Forgotten“ oder „Oathbreaker“, die auch vom Publikum sehr gut aufgenommen werden. Mein Vorhaben, die ersten drei Songs zu schauen und dann wieder zu verschwinden, scheitert.
Die Band haut einen Track nach dem nächsten raus und die Fans feiern das mit Headbangen, Moshen und das in einer so ausgiebigen Art und Weise, das ich beim zuschauen schon auf meine Kosten komme. Die Halle ist bei weitem nicht so voll, wie zuvor, was aber auch an den knapp 28 Grad Außentemperatur liegt… plus den Kohlen, die VULTURE noch auf´s Feuer draufwerfen. Man muss kein Fan der Band sein, aber man muss VULTURE attestieren, das sie ihre Sache sehr gut machen.
Frischluft in der HAlle
Hier kommen wir zu einem weiteren absolut fanfreundlichen Punkt an dem Tag: Nach dem Set einer jeden Band, öffnet der Club alle Türen und lässt frische Luft durchziehen. Die Halle kühlt dadurch etwas ab, was dafür sorgt, das man keine drückende Stauwärme im Raum hat. Die Klimaanlage gibt ihr bestes, was aber nicht richtig ausreicht und da ist der Schritt, die Türen für 15-20Minuten zu
öffnen, ein vollkommen geiler und fanfreundlicher Schachtzug.
WYTCH HAZEL

Frische Luft ist im Haus, denn berichten nach, haben WYTCH HAZEL schon gestern in Linz für beste Stimmung gesorgt und das sollte auch heute der Fall sein. Die Halle füllt sich schon vor dem ersten Ton und man könnte glauben, das jetzt der Headliner spielen würde. Die Band startet mit „The Fire´s Control“ in den Abend und die ersten Töne sorgen für frenetischen Jubel im Publikum. Die ersten
Damen neben mir, fangen vollkommen ausgelassen an zu tanzen. Was passiert?
Nach einem Speed Metal Feuerwerk von VULTURE wirkt es skurril, das man jetzt einer christlich zugewandten Rockband die Herzen zuwirft. Krank wird es bei „Elixir“, „The Citadel“, wo das ganze Publikum die Arme oben hat und mitsingt. Mir war klar, das WYTCH HAZEL eine starke Band sind, aber mir war nicht klar,
welches Feuer diese Band bei den Fans Live einfachen kann. Bis zur letzten Minuten wird der Auftritt der Band gefeiert. Ein schöner 70er Jahre Touch wird durch die Band verbreitet… ich genieße den Auftritt, der meine erste Livebegegnung der den Briten darstellt. Absolut großartig. Wahre Healing
Power für Herz und Seele. Danke!
MINDLESS SINNER

Mehr geht eigentlich auch gar nicht. Da wird keine Band drüber kommen… Denkste!
MINDLESS SINNER sind vollkommen unbeeindruckt und was noch gerade wie ein Linecheck klingt, lässt die Männer nicht stoppen. Soundmann und Bühnenmanager versuchen der Band ein Signal zu geben, das sie JETZT erst die Show anfangen sollen, aber: Das juckt die gar nicht! Getreu dem Motto… jetzt
haben wir schon mal angefangen, dann können wir auch weiterhin Gas geben. Die Fans danken es ihnen.
Ich kenne die Band überhaupt nicht. Ein bis zwei Kollegen sagten mir aber, dass sie die Band gerne gesehen hätten und was soll ich sagen: Ich kann das jetzt verstehen. Ich nenne das ganze mal klassischen Heavy Metal… andere würden „Power Metal“ dazu sagen, aber das finde ich einen nicht
so schönen Begriff. Mit „Speed Demon“ haut die Band der Masse ein Brett vor der Kopf, welches sich gewaschen hat. Die Titel der Band haben es in sich… „Metal Merchants“ oder „Men of Steel“ und „Heavy Metal Mayhem“ lassen klar erkennen: Metal inklusive Klischees auf allerhöchstem Niveau!

Die Schweden wissen genau was sie tun und das kommt bei den Fans super an. Mir berichteten später drei Fans, dass sie die Band 2015 auf dem Keep It True gesehen hätten und seitdem Fan der Band sind. Sie sind extra aus Prag angereist um die Band endlich mal wieder sehen zu können. Hier schließt sich dann der Kreis, denn ich erzähle den Jungs, das ich wegen dem Flyer vom Keep It True hier bin.
Das angebotene Bier muss ich allerdings ausschlagen, da ich meiner Linie treu bleiben möchte. Ich muss nachher noch arbeiten und da empfiehlt es sich, das man nüchtern ist.
THE NIGHT ETERNAL

Von THE NIGHT ETERNAL habe ich alles zuhause im Plattenschrank stehen und habe einige Sympathiepunkte für die Band im Kasten. Nach WYTCH HAZEL und MINDLESS SINNER bin ich gespannt, wie THE NIGHT ETERNAL das lösen? Die Stimmung war bereits ganz oben und da einen drauf zu setzen, ist nicht leicht, aber: Die Band scheißt genau darauf! Alleine das Frontmann Ricardo am Mikrofon steht, ist unbezahlbar. Der Mann ist für die Bühne gemacht.
Eine absolute Rampensau, die mit dem ersten Ton eine Art Wesensexplosion hinlegt, wie sie fetter gar nicht sein kann. Privat einer der liebsten und handzahmsten Menschen, die man persönlich treffen kann und auf der Bühne das komplette Animal, das mal eben den Mikrofonständer beim ersten Song zerlegt. Das Set ist inzwischen bekannte und legt den Fokus auf die beiden Alben 𝙈𝙤𝙤𝙣𝙡𝙞𝙩 𝘾𝙧𝙤𝙨𝙨 und 𝙁𝙖𝙩𝙖𝙡𝙚.
DieHommage „Prince of Darkness“ an Ozzy Osbourne ist der letzte Tropfen, den es braucht, damit das Faß der guten Laune dann vollends überläuft. Die Band ist im Wahn gefangen und liefert ab. Das Publikum rastet aus und feiert bei „Elysion (Take me Over) die Band entsprechend ab. Mit etwas Traurigkeit verkündet Ricardo, das mit „Moonlit Cross“ der letzte Song folgt und das man dieses Set
so nicht mehr spielen wird, da die Band demnächst ein neues Album raushaut, was dann über Metal Blade Records veröffentlicht wird. Ich wünsche der Band von Herzen alles Gute für den nächsten Schritt, denn der Auftritt war absolut Top. Sollte die Band das Niveau halten, dann werden demnächst die etablierten 800er Clubs voll besucht sein. Prädikat: Wertvoll!!! Und Ricardo singt es
am Ende noch… „Tschüss Wels… and you know… It´s a Night of the Demon“.
Exakt!
DEMON

Das Intro von „Night of the Demon“ läuft, als die Band auf die Bühne kommt und mit ihrem Klassiker den ohnehin schon Stimmungstechnisch auf den Siedepunkt gebrachten Saal zum überkochen bringt. Es folgt „Hurricane“, „Sign of a Madman“, ehe das getragene „The Plague“ die Stimmung etwas runterkommen lässt. Aber schon „Nowhere to Run“ und „Standing on the Edge“ sorgen dafür, dass die Stimmung wieder hochgeht. Als die Band dann „Don´t break the Circle“anstimmt, da kennt der Saal kein Halten mehr. DEMON machen den Sack nach etlichen „Standing Ovations“ mit „One Helluva Night“ zu. Frenetischer Applaus, der nicht enden will und überall nur glückliche Gesichter. So sollte es sein und so macht es auch Spaß.
Glückliche Fans

Fans, die glücklich sind, weil sie für ihr Geld 7x absolute Topleistungen von den Bands erhalten haben und ebenso ein Veranstalter, der aus meiner Sicht wirklich nahezu alles richtig und sehr gut gemacht hat. Ein tolles Team, das gut zusammengearbeitet hat und die immer und zu jederzeit für die Fans präsent und ansprechbar war.
Unabhängig von DEMON, wegen denen ich hauptsächlich in Wels war: Dieser Event war pure Werbung. Hier würde ich jederzeit wieder hinfahren, da die Veranstaltung mit viel Liebe und Herzblut betrieben wurde.
Mein Kompliment nach Wels ans Defenders of Steel Team!

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