click here for english review
Genre: Progressive Metal
Release: 21.11.2025
Label: independent release
Ich möchte euch wieder einmal einen Musiker vorstellen, der sein eigene Geschichte schreibt. Håvard Lunde aus Norwegen hat mit seinem Solo-Projekt 𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 ein weiteres Kapitel seiner fiktiven Erzählung veröffentlicht. Im folgenden beschreibt er den Hintergrund und Werdegang seiner Geschichte, die wie häufig bei solchen Solo-Projekten auch persönliche Schicksale verarbeitet.
𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮 führt das Konzept fort, das mit dem Debüt Entity (2017) begann. Im Kern erzählt es die Geschichte eines Protagonisten, der sich aus der Welt zurückzieht und Trost in der Isolation sucht. Schließlich, nachdem er viel zu lange mit sich allein geblieben ist, beginnt die Depression – verkörpert durch die Figur des Dämons – ihn zu zermürben, und er muss sich seinen Weg zurück ins Leben erkämpfen.
Die Fortsetzung Entity, Chapter II: Echoes from a Cognitive Dystopia (2020) knüpfte direkt an Entity an, jedoch aus einer persönlicheren Perspektive. Obwohl das Konzept nicht vollständig autobiografisch angelegt ist, enthält es bestimmte Momente und Ereignisse, die stärker persönlicher Natur sind – etwa den Verlust seines Vaters, der im ersten Teil von Chapter II im Mittelpunkt steht.
Obwohl Håvard Lunde ursprünglich kein drittes Kapitel geplant hatte, verspürte er den Wunsch, die Geschichte auf einer „helleren Note“ zu beenden. 𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮 erzählt davon, dass der Protagonist daran gescheitert ist, sich erneut der Welt um ihn herum zu stellen, und wieder in den Griff seines Dämons geraten ist. Doch obwohl dessen Stimme am lautesten spricht, flüstert die Stimme der Vernunft ihm zu, die Mauern einzureißen, die ihn isolieren. In einem plötzlichen Moment der Klarheit erkennt er schließlich, dass er nicht mehr so leben möchte. Er widersetzt sich seinem Dämon und findet schließlich Hope – eine Figur, die ein ähnliches Leben geführt hat wie er selbst, geprägt von Einsamkeit, Trauer und dem Verlangen nach Liebe. Für sie ist der Protagonist das Licht, das sie in ihrem Leben gebraucht hat, und sie möchte das Leitlicht sein, das auch er braucht. Sie steht ihm in seinen Prüfungen bei und führt ihn schließlich auf den Weg zu einem glücklichen Leben.
𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮
Klanglich stelle ich mich auf eine Reise ein, die viele Eindrücke vermitteln wird und vielleicht nicht auf Anhieb greifbar sein wird. Aber warten wir mal und starten die Reise…
Der Hörer wird im Intro erzählerisch in die Geschichte hineingezogen, was den narrativen Anspruch des Projekts sofort unterstreicht. Gegen Ende des Stücks öffnen sich weitflächige Syntheseschichten, die eine schimmernde Übergangsebene bilden und nahtlos in den folgenden Track „Relapse“ überleiten. Dort wird das Klangbild greifbarer: Gitarrenriffs, Drums und Bass verleihen dem Stück zunächst einen deutlichen Symphonic‑Metal‑Charakter, bevor plötzlich dunkle Growls in das Geschehen schneiden und einen Death‑Metal‑Akzent setzen. Im weiteren Verlauf zeigt sich jedoch, dass hier bewusst mit unterschiedlichen gesanglichen Rollen gearbeitet wird. Diese Vielstimmigkeit wirkt nie konstruiert, sondern fügt sich schlüssig in die Dramaturgie ein und verleiht dem Sound zusätzliche Ebenen, die das Gesamtbild vertiefen.
𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 lebt davon, dass man sich einlässt. Es ist kein Projekt, das mit Hooks um sich wirft, sondern eines, das Atmosphäre und Struktur miteinander verschränkt. Die Übergänge sind immer fließend, was dem flüssigen Verlauf der Geschichte dienlich ist. Kein Song wirkt hier für sich gestellt, sondern als Etappen einer Reise. Natürlich finden aufgrund des Konzepts Stimmungswechsel statt. Auch im Kapitel „The Shattered Walls Of Ilusion“ kommt die dunkle Growls-Komponente häufiger zum Vorschein, welche ich persönlich sehr schätze, denn sie klingen intensiv und generieren Aufmerksamkeit.
Mit dem instrumentalen Zwischenstück „A Guiding Light“ weicht die zuvor dominante, düstere Härte einer deutlich leichteren, fast unbeschwerten Erscheinung. „A Place To Call Home“ setzt diese Szenerie fort. Es wirkt, als würde die Nacht von einer aufsteigenden Sonne zurückgedrängt. Die Melodik öffnet sich, ein warmes Gitarrensolo setzt einen strahlenden Akzent, und plötzlich tritt eine weitere Stimme in Erscheinung: zarter weiblicher Gesang, der eine neue Rolle im erzählerischen Gefüge übernimmt.
Konzeptionell ist dieser Schritt nachvollziehbar, denn er erweitert die Perspektive der Geschichte. Dennoch werde ich mit diesem Konzept nicht vollständig warm. In Kombination mit den später einsetzenden cleanen männlichen Vocals verschiebt sich der Ausdruck in eine Richtung, die stärker an Musical‑Ästhetik erinnert — theatralischer, breiter, weniger metallisch geerdet. Das ist eine bewusste stilistische Entscheidung, aber eine, die mich persönlich nicht ganz erreicht.
Dieser musikalische Stil zieht sich zunächst weiter durch die folgenden Kapitel, und auch wenn er der erzählerischen Entwicklung dient, entsteht für mich eine Phase, in der sich eine gewisse Ermüdung breitmacht. Die Dramaturgie bleibt stimmig, doch klanglich verliert das Album hier für mich an Zugkraft.
Erst mit „One Last Temptation“ wird es für mich wieder packender: Die dunklere Seite glimmt noch einmal auf. Erzählerisch natürlich keine gute Entwicklung ,aber musikalisch verleiht diese Ebene dem Album jene Schwere und Intensität, die ich persönlich schätze. Auch die Gitarrensolos gefallen mir sehr gut, indem sie eine „gefährliche“ Attitüde in den Sound bringen.
In diesem Fahrwasser bewegt sich auch „The Diminishing Shadows“, der meinen Geschmack trifft und die atmosphärische Tiefe des Projekts wieder mehr ausschöpft. Gerade die Verbindung der Keys mit den Growls hört sich interessant und bindet Aufmerksamkeit.
Fazit
𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 präsentiert mit 𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮 ein ambitioniertes, erzählerisch durchdachtes Werk, das seine Stärke vor allem in den atmosphärischen Spannungsfeldern zwischen Dunkelheit und Licht entfaltet. Håvard Lunde versteht es, Klangwelten zu erschaffen, die wie Kapitel einer größeren Geschichte wirken und den Hörer Schritt für Schritt tiefer hineinziehen. Handwerklich bzw. kompositorisch ist bewegt sich Musiker Håvard Lunde auf hohem Niveau und liefert tolle Momente. Besonders die härteren, düster gefärbten Passagen überzeugen durch Intensität und emotionale Dichte.
Im Mittelteil jedoch verliert das Album für mich etwas an Zugkraft. Die stärker musicalhaft geprägten Vocals und die hellere, theatralischere Ausrichtung sind konzeptionell nachvollziehbar, treffen aber nicht ganz meinen persönlichen Geschmack. Erst mit der Rückkehr der dunkleren Klangfacetten gewinnt das Album wieder jene Tiefe und Spannung, die 𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 so markant machen.
Trotz dieser Schwankungen bleibt das Projekt 𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie viel erzählerische Kraft in einem Solo‑Werk stecken kann. Lunde verbindet technische Präzision, cineastische Breite und emotionale Ambivalenz zu einer interessanten Klangwelt.

- Prologue (02:00)
- Relapse (03:45)
- The Shattered Walls Of Illusion (03:23)
- A Guiding Light (00:53)
- A Place To Call Home (04:31)
- On The Threshold (03:06)
- Crossing Over (02:48
- The Light Of Day (03:19)
- One Last Temptation (03:02)
- The Diminishing Shadows (02:17)
- Revival (02:04)
- The Visitation Dream (01:23)
- Home (01:28)
- The Light Of Day (Reprise) (07:58)

english review
Genre: Progressive Metal
Release: 21.11.2025
Label: independent release
I’d like to introduce you once again to a musician who continues to write his own story. Håvard Lunde from Norway has released another chapter of his fictional narrative with his solo project MOONSCAPE. In the following, he outlines the background and evolution of this story — one that, as is often the case with solo projects, also weaves in personal experiences and hardships.
𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮 continues the concept that began with the 2017 debut Entity. At its core, it tells the story of a protagonist who withdraws from the world and seeks solace in isolation. Eventually, after spending far too much time alone, depression — personified as the figure of the demon — begins to wear him down, forcing him to fight his way back into life.
The follow‑up 𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄: 𝙀𝙘𝙝𝙤𝙚𝙨 𝙛𝙧𝙤𝙢 𝙖 𝘾𝙤𝙜𝙣𝙞𝙩𝙞𝙫𝙚 𝘿𝙮𝙨𝙩𝙤𝙥𝙞𝙖 (2020) picked up directly where Entity left off, but from a more personal perspective. Although the concept isn’t fully autobiographical, it incorporates certain moments and events of a more intimate nature — including the loss of his father, which forms the emotional centerpiece of the first part of Chapter II
Although Håvard Lunde originally hadn’t planned a third chapter, he felt the urge to conclude the story on a “brighter note.”𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮 tells of a protagonist who has failed in his attempt to face the world once more and has once again fallen under the grip of his demon. Yet even as the demon’s voice speaks the loudest, the voice of reason whispers to him to tear down the walls that keep him isolated. In a sudden moment of clarity, he realizes he no longer wants to live this way. He resists his demon and ultimately finds Hope — a character who has lived a life much like his own, shaped by loneliness, grief, and a longing for love. For her, the protagonist becomes the light she has needed in her life, and she wishes to be the guiding light he needs in return. She stands by him through his trials and eventually leads him onto the path toward a happier life.
𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮
Sonically, I prepare myself for a journey that will offer many impressions and may not reveal its full shape right away. But let’s wait and see — and begin the journey…
The listener is drawn into the story from the very beginning, underscoring the project’s strong narrative intent. Toward the end of the piece, expansive layers of synths unfold, creating a shimmering transitional space that flows seamlessly into the next track, „Relapse“. There, the sound becomes more tangible: guitars, drums, and bass initially lend the piece a distinct symphonic‑metal character, before dark growls suddenly cut through the arrangement and introduce a death‑metal accent. As the track progresses, it becomes clear that the vocals are deliberately cast in different roles. This multiplicity never feels forced; instead, it integrates naturally into the overall dramaturgy and adds additional layers that deepen the sonic landscape.
MOONSCAPE thrives on the willingness to immerse oneself. It’s not a project built around immediate hooks, but one that intertwines atmosphere and structure. The transitions are consistently fluid, serving the seamless flow of the narrative. No song stands alone here; each feels like a stage along a larger journey. Naturally, the concept brings shifts in mood. In the chapter „The Shattered Walls of Illusion“, the darker growl‑driven component surfaces more frequently — something I personally appreciate, as it sounds strong and commands attention.
With the instrumental interlude „A Guiding Light“, the previously dominant, brooding heaviness gives way to a noticeably lighter, almost carefree atmosphere. „A Place to Call Home“ continues this setting. It feels as though the night is being pushed back by a rising sun. The melodies open up, a warm guitar solo adds a radiant accent, and suddenly another voice enters the scene: delicate female vocals that introduce a new role within the narrative framework. Conceptually, this step makes sense, as it broadens the story’s perspective. Still, I don’t fully connect with this vocal line. Combined with the later clean male vocals, the expression shifts toward a more musical‑theatre‑like aesthetic — more theatrical, broader, and less grounded in metal. It’s a deliberate stylistic choice, but one that doesn’t entirely resonate with me personally.
This musical expression continues through the following chapters, and while it certainly serves the narrative progression, it creates a phase in which a certain sense of fatigue sets in for me. The dramaturgy remains coherent, yet sonically the album loses some of its momentum here. With „One Last Temptation„, the album becomes gripping again for me: the darker side flickers back to life. Narratively, of course, this isn’t a positive development, but musically this layer brings back the weight and intensity that I particularly appreciate. I also really like the guitar solos, which bring a sense of “danger” into the sound.
„The Diminishing Shadows“ moves in the same vein — a track that aligns far more with my personal taste and once again taps more deeply into the project’s atmospheric potential. The interplay between the keys and the growls is particularly striking, creating an intriguing contrast that immediately draws attention.
Conclusion
With 𝙀𝙣𝙩𝙞𝙩𝙮, 𝘾𝙝𝙖𝙥𝙩𝙚𝙧 𝙄𝙄𝙄: 𝘼 𝙎𝙪𝙙𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙡𝙞𝙢𝙥𝙨𝙚 𝙤𝙛 𝘾𝙡𝙖𝙧𝙞𝙩𝙮, 𝐌𝐎𝐎𝐍𝐒𝐂𝐀𝐏𝐄 presents an ambitious, narratively refined work that draws its strength from the atmospheric tension between darkness and light. Håvard Lunde has a remarkable ability to craft sonic worlds that feel like chapters of a larger story, pulling the listener deeper with each step. On a compositional and technical level, Lunde operates at a high standard, delivering striking moments throughout. The heavier, darker passages in particular stand out with their intensity and emotional weight.
In the middle section, however, the album loses some of its momentum for me. The more musical‑theatre‑leaning vocals and the brighter, more theatrical direction make sense within the concept, but they don’t fully align with my personal taste. It’s only with the return of the darker sonic facets that the album regains the depth and tension that make MOONSCAPE so distinctive.
Despite these fluctuations, MOONSCAPE remains an impressive example of how much narrative power a solo project can hold. Lunde fuses technical precision, cinematic breadth, and emotional ambivalence into an interesting sonic world.

- Prologue (02:00)
- Relapse (03:45)
- The Shattered Walls Of Illusion (03:23)
- A Guiding Light (00:53)
- A Place To Call Home (04:31)
- On The Threshold (03:06)
- Crossing Over (02:48
- The Light Of Day (03:19)
- One Last Temptation (03:02)
- The Diminishing Shadows (02:17)
- Revival (02:04)
- The Visitation Dream (01:23)
- Home (01:28)
- The Light Of Day (Reprise) (07:58)


Schreibe einen Kommentar