Gastbeitrag von Martin Sosna
Konzertbericht
Location: Azjin Fabriek, Roermond (Niederlande)
Datum: 17.01.2026
Ich fahre gerne in unser Nachbarland und bin seit Jahren ein wirklich begeisterter Fan von Konzerten in den Niederlanden. Nicht wegen dem Dynamo Open Air oder anderen Festivals, sondern ich liebe die kleinen Clubkonzerte.
Die Clubs haben oft ein ganz anderes Niveau, als es hier in Deutschland der Fall ist. Oft sind die Läden in den Niederlanden in städtischer Hand und gefördert, was viele Dinge verändert. Dieses Mal haben uns 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 nach Roermond gelockt und wir waren gespannt, was uns in der Azijn Fabriek erwartet. Roermond war mir als Stadt schon lange ein Begriff, da dort damals mit THE ROCK einer der interessantes Plattenläden der Szene zuhause war. In diesem Laden haben die verrücktesten Autogrammstunden mit unzähligen Bands wie Edguy, Avantasia oder auch Doro stattgefunden.

Den Club Azijn Fabriek kannte ich allerdings noch nicht und war gespannt, wie ein Flitzebogen. Fast wären wir an dem Laden vorbeigefahren, weil es nur ein schmaler Gang dorthin ist. Mein Beifahrer Roland passt gut auf und wir suchen einen Parkplatz in der Umgebung. Ein paar Minuten haben wir zu laufen, ehe wir neben der Azjinfabriek, erstmal die Pommesbude aufsuchen. Knapp eine Stunde und 30 Minuten sind wir von Dortmund aus nach Roermond gefahren und damit schneller gewesen, als wir dachten.
𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓

Pünktlich zu 𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓 stehen wir im Club. Der Laden wirkt wie eine Mischung aus Don´t Panic und Turock in Essen. Insgesamt ist es sehr sauber, aber die Getränkepreise sind schon am oberen Limit… 0,2l Cola… 3€. Da bleibe ich dann etwas sparsam.
Da ich mich bewusst nicht mit den Vorbands beschäftigt habe, gehe ich wegen dem Bühnenbanner davon aus, das 𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓 nicht 𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓, sondern 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀 sind. Die Band 𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓 ist aber noch sehr jung und hat kein eigenes Backdrop. Das raffe ich dann irgendwann auch und erfreue mich an dem fröhlichen Mix aus Green Day und Sum41.
Das Trio ist sehr bemüht und interessiert sich auch nicht dafür, dass nur „OldSchool“-Metalheads im Publikum stehen. Sie spielen unbeirrt ihr Set mit knapp 35 Minuten und ernten trotzdem viel Applaus. Bei uns wären viele Leute gleich aus dem Laden gerannt, aber hier ist das anders. Die bis dato knapp 40/50 Anwesenden bleiben im Laden und spenden der Band immer wieder Applaus. Dieser Applaus ist auch absolut berechtigt, denn was 𝐑𝐀𝐃 𝐒𝐊𝐄𝐋𝐋𝐈𝐎𝐓 machen, das hat Hand, Fuß und vor allem auch Herz! Bitte weitermachen!
𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀

Fast 100 Leute sind im Laden, als 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀 wie ein Orkan loslegen. Wenn ihr euch den Song „Bankrupt the Republic“ in den einschlägigen Streaming Börsen anhört, dann könnt ihr euch vorstellen, was da in Roermond passiert. Das Publikum ist sofort da und man merkt, dass es die Release Party von 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀 ist, die quasi Local Heroes in Roermond sind.
Die Band ist gut geölt und macht keine Pause, damit es gleich in „Cut the Cord“ übergehen kann. Das Tempo ist gedrosselt und der Song rollt wie eine Dampfwalze über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Resultat: kollektives Headbanging. Das geht hier auch gerade gar nicht anders, da der Groove einen vom Hocker reißt.
Da viele den Text mitsingen, ist mir klar: Die Nummer muss ebenfalls schon etwas älter und bekannter sein. Wahnsinn! Die Stimmung ist am kochen und das Quartett wird frenetisch gefeiert, was kein Grund ist, einen Millimeter vom Gaspedal zu gehen. Es gibt keine Balladen, kein Mitleid, denn die Jungs treten mit dem nächsten Song das Gaspedal voll durch.
Kurz nachschauen… „Preach to the Choir“ ist vom neuen Album „Humanity“, da ich mir am Merchandise die beiden Alben von 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀 zulege. Blöderweise spare ich mir die „Maxi“ der Band, auf der mit „War Is My Shepherd“ eine vorzügliche Exodus Coverversion enthalten ist. Als die Band diese ins Publikum feuert, ist kein Halten mehr angesagt. Song Geschwindigkeiten im 200-220bpm sind hier keine Seltenheit und die niederländischen Fans feiern die Band komplett ab. Was für eine Show, was für ein kurzweiliges Set. Geile Band, die mich so weghaut, wie es damals Overruled oder Fusion Bomb getan haben.
𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑

Mir stellt sich bei 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 die Frage:
Hat der Soundmann da einen schlechten Job gemacht oder liegt das am Equipment der Band? Der Sound ist bei 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 nicht mehr annähernd so fett und druckvoll wie zuvor bei 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀. Was aber an Sound ein wenig fehlt, das macht die Band durch den Umstand, dass sie hunderte von Shows an Erfahrung auf dem Buckel und einen Frontmann wie Rop van Haren in den Reihen hat, wett.

Das Intro ertönt und darauffolgendem Ausschnitt von „Cemetery Symphony“ vom neuen Album „Dark Believer“, das aber in „Demon Hammer“ übergeht. Sehr geil gelöst und gerade als ich noch den Gedanken hatte, das 𝐕𝐄𝐋𝐎𝐙𝐙𝐀 eh all platt gemacht haben, übernehmen 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 hier ganz selbstverständlich das Ruder und heizen dem ausgelaugten Mob mächtig ein.
Die inzwischen knapp 120 Anwesenden brüllen frenetisch „Demon Hammer“ mit und johlen, das Rob alle zu einem „Raise Your Horns“ auffordert. Die Pommesgabeln schnellen in die Luft und es wird auf Teufel komm raus mitgemacht. Da die Azijn Fabriek größer als gedacht ist, verteilen sich die 120 Leute sehr weitläufig im Saal. Während die einen sich an der Theke festhalten und mit dem Fuß mitwippen, stehen andere vor und wieder andere verteilen sich an den Seiten.
Es folgt eine Setlist, die keine Schwächen offenbart und die einen Kracher nach dem anderen raushaut. Als die Band „La Diabla“ anstimmt, frage ich mich:
„Warum ist das hier nicht die Zeche Bochum? Warum sind keine 800 Menschen hier? Warum kennen so wenig Fans diese Band?“. Meine Fragen bleiben wohl unbeantwortet. Ekstase ist beim letzen Song „Legion oft he Cross“ angesagt, der alle in gemeinsames Headbangen und Pommesgabel Inferno entführt. Was eine Show!!!

Die Fans sind begeistert von 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 und es gibt Standing Ovations. Die Jungs aus Utrecht haben sich heute mal wieder selbst übertroffen und den Fans eine Setlist vor die Birne genagelt, die es in sich hatte. Sänger Rop nutzt den Umstand, dass Platz im Publikum herrscht und steht irgendwann inmitten der Fans. Beim zweiten Ausflug kommt er direkt auf mich zu, da ich mit meinen Handy einen Song filme. Mit dem Finger auf mich zeigend, schüttet sich Rop eine Flasche Wasser über den Kopf und schließt das mit einem sanften Headbangen ab. Das Publikum ist am johlen.
Es ist nicht nur meine bescheidene Meinung, sondern auch die meines Begleiters Roland: Martyr wären bereit für Stadien. Wenn du fetten Heavy Metal mit Speed Metal Einschlag haben willst: Zieh dir 𝐌𝐀𝐑𝐓𝐘𝐑 rein… besuche ein Konzert der Band und lass dir die Kinnlade von Links auf Rechts drehen.

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