GASTBEITRAG

Review von Martin Sosna

Genre: Progressive Metal
Release: 2024
Label: Freya Records

Ich bin erst vor ein paar Wochen auf die Musik von 𝐄𝐍𝐓𝐄𝐑𝐈𝐍𝐆 𝐏𝐎𝐋𝐀𝐑𝐈𝐒 aufmerksam geworden. Hinter diesem Projekt steckt THORIUM Gitarrist Tom Tee, der seiner Kreativität bei 𝐄𝐍𝐓𝐄𝐑𝐈𝐍𝐆 𝐏𝐎𝐋𝐀𝐑𝐈𝐒 vollen Auslauf gewährt.

Die beiden Alben 𝙎𝙤𝙣𝙜𝙨 𝙤𝙛 𝙄𝙫𝙤𝙧𝙮 𝙖𝙣𝙙 𝙊𝙗𝙨𝙞𝙙𝙞𝙖𝙣 (Piano Versions) und 𝙈𝙮𝙩𝙝𝙨 𝙞𝙣 𝙈𝙤𝙩𝙞𝙤𝙣 muss man als ein Ganzes betrachten, welches sich in harte E-Gitarren Klänge und sanfte Piano Klängen vermischt. Tom Tee ist bei dem Album für die Gitarre, sowohl E- Gitarre als auch Akustik Gitarren sowie Bass und den Programmierungen zuständig. Das ist aber nicht alles, denn Tom ist auch Songwriter und hat alles arrangiert.

Ein Mammut Projekt, denn die Zahl der Musiker hinter der Scheibe ist beachtlich. Insgesamt 8 Musiker verstecken sich neben Tom Tee hinter 𝐄𝐍𝐓𝐄𝐑𝐈𝐍𝐆 𝐏𝐎𝐋𝐀𝐑𝐈𝐒 und 9 Sänger konnte ich für 𝙈𝙮𝙩𝙝𝙨 𝙞𝙣 𝙈𝙤𝙩𝙞𝙤𝙣 zählen. Das ganze verändert sich dann mit einem Blick auf 𝙎𝙤𝙣𝙜𝙨 𝙤𝙛 𝙄𝙫𝙤𝙧𝙮 𝙖𝙣𝙙 𝙊𝙗𝙨𝙞𝙙𝙞𝙖𝙣, bei dem neben Tom Tee 5 Musiker plus 4 Gastmusiker zu hören sind. Und auch gesanglich wird es wild, denn neben Tom Englund, Roy Khan finden sich mit Damian Wilson weitere 6 Sänger, von denen einer sogar Tom Tee selbst ist.

𝙈𝙮𝙩𝙝𝙨 𝙞𝙣 𝙈𝙤𝙩𝙞𝙤𝙣 startet, so wie ich es höre, mit einer Oboe, die eine liebliche Melodie spielt, ehe es einen fetten Break gibt und eine Nevermore-artige Gitarre loslegt, die einem die Nackenmuskeln sprengen möchtet. Der ganze Song bleibt satte 4,39min instrumental und lässt einen nicht los. Es wird zu keinem Punkt langweilig, sondern wechselt immer wieder von epischen und melodischen Teilen schnelle und brachiale E-Gitarren Teile.

Der erste Song geht über in „Heresy“. Hier kommt mit Ripper Owens eine absolute Szenegröße zum Vorschein, der sich in bester Manier durch den Song sägt. Mit Sindre Nedland ist zudem ein Sänger als Pardon zu Ripper zu finden, der in bester Death Metal Manier growlt wie ein Beserker. Das ganze wechselt von besagter Nevermore brachialität in sphärische und epische Breaks. Jungs, ich kann nicht das ganze Album so durchgehen.

Gott gab und die Streaming Medien, um meine Worte zu kontrollieren. Immer wieder tauschen Malmsteen-artige Gitarrensolo auf und ebenso sind massig „Twin Guitars“ auf dem Album zu finden. Es ist der Wahnsinn… hier wird nicht darauf geachtet, das eine Hitsingle dabei ist, denn sonst wären Songs wie „Heresy“ (9:14min) oder „Building Rome in a Day“ (8:32min) nicht so lang geworden. Was hier an musikalischen Feuerwerk abgeliefert wird, das spottet jeder Beschreibung. Rasant, episch, sphärisch, einfühlsam, brachial, donnernd und krachend… es geht durch jede Episode der Gefühswelt.

Mit „Reign in Hell“ wird es dann auch treibend, wie es Nevermore mit Warrel Dane bestens konnten. Ich bin fasziniert von diesem Album, das gute 63 Minuten an Musik bietet, in 10 Songs aufgeteilt ist  und zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Die Schwierigkeit, die ich in 𝙈𝙮𝙩𝙝𝙨 𝙞𝙣 𝙈𝙤𝙩𝙞𝙤𝙣 sehe ist, das die Menschen eine immer geringer Aufmerksamkeitsspanne haben und sich einem solchen Machtwerk geistig kaum öffnen können. Es braucht Ruhe und Zeit, das sich dieser Opus in Gänze entfaltet und die volle Pracht seiner Blüte zeigt. Gibt an dem Album 3 oder 4 Durchläufe, dann versinkt man in der Welt von 𝐄𝐍𝐓𝐄𝐑𝐈𝐍𝐆 𝐏𝐎𝐋𝐀𝐑𝐈𝐒.

Dem Gegenüber steht 𝙎𝙤𝙣𝙜𝙨 𝙤𝙛 𝙄𝙫𝙤𝙧𝙮 𝙖𝙣𝙙 𝙊𝙗𝙨𝙞𝙙𝙞𝙖𝙣, welches ein Album in Piano Version ist und den Gegenpart zu 𝙈𝙮𝙩𝙝𝙨 𝙞𝙣 𝙈𝙤𝙩𝙞𝙤𝙣 bildet. Hier kommt Tom Englund mit seiner wunderschönen melodischen und melancholischen Stimme direkt im Opener zum Tragen. Eine E-Gitarre sucht man hier vergebens und am besten lässt sich das Album auf dem Boden liegend mit einem Satz Kerzen hören. Wunderschöne Klaviermelodien, die sich mit anderen klassischen Instrumenten abwechseln. Wer auf Klavier und getragenen sowie Sphärischen Songs gut einlassen kann, der wird hier ein neues orales Zuhause finden.

Tom Tee hat mit diesem Opus eine Dimension erreicht, an die viele Musiker nicht einmal kratzen können. Die Kunst ist es ja nicht nur, die Songs zu schreiben, sondern sie auch aufzunehmen, zu arrangieren und die passenden Musiker zu den Songs zu finden. Ebenso ist der Einsatz und die Auswahl der Sänger sehr gut gelungen. Auf „Gordian Pristine“ kommt dann Tom Tee selbst zum Einsatz und der Mann kann nicht nur brillant Gitarre spielen, er ist zudem mit einer tollen Gesangsstimme ausgestattet. Wer die Synapsen ausschalten kann und bereit ist, in tiefen musikalische Welten zu tauchen, der wird hier sehr viele Perlen entdecken.

Noten? Diese Album eine Note geben? Mit einer Zahl solch ein Epos bewerten und so etwas wie auf oder ab per Daumen zu zeigen? Nein, das kommt mir nicht in den Sinn. Ich habe einen wahsinnigen Respekt vor diesem Album, welches in Vinylversion als 3er Scheibe daherkommt, extrem fett und wertig aufgemacht ist. Der Preis von 50€ in der Anschaffung ist dafür am Ende ein Witz, wenn ich sehe, das ein einfaches Album von manchen Künstler schon bei 40 oder 42€ liegt. Da ist das zum Vergleich wirklich geschenkt, auch wenn es erst als Summe „viel“ wirkt.

Wenn ich eine Note geben müsste, dann wäre sie definitiv im obersten Bereich zu finden.


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