Mit JADED HEART und DEMON DROWNER sind heute zwei Bands am Start, die sehr unterschiedlich sind und trotzdem die gleiche Bühne im Vinylcafe rocken. JADED HEART sind absolute Veteranen der deutschen Metal-Szene. Seit den frühen 90ern aktiv, stehen sie für erfahrungsgesättigten, harten und zugleich extrem eingängigen Melodic Metal mit kraftvollen Riffs, großen Refrains und skandinavisch geprägtem Stadion-Rock-Flair.

DEMON DROWNER hingegen sind Vertreter einer deutlich jüngeren, modernen Welle des Heavy Metal Ihr musikalischer Stil vermischt Elemente verschiedener Metalvariationen und machen daraus ihre eigenes Ding. Sie sind deutlich aggressiver und düsterer unterwegs, mal auch gerne etwas verrückt, denn sie vermischen auf ganz eigene Weise cleane mit extremen Vocals. Lässt sich schwer beschreiben, muss man gehört haben.

Deswegen bin ich super gespannt, was mich da heute Abend erwarten wird, wenn diese zwei Bands die Hütte rocken werden. Das dürfte sehr spannend werden, auch was die Zusammensetzung des Publikums angeht. Jedenfalls ist die Hütte gut gefüllt. 110 Tickets wurden bereits im Vorverkauf unter die Fans gebracht und an der Abendkasse ging auch noch mal was weg. Das Vinylcafe ist nicht sehr groß, so dass sich maximal 150 Personen dort tummeln dürfen. Ich finde die kleine Location sehr gemütlich und es ist einfach ne lockere familiäre Atmosphäre dort. Es hat schon fast etwas von Wohnzimmer-Flair.

Das erste, was mir beim Eintreffen auffällt, ist der Foodtrailer vor dem Vinylcafe. ‚Bernd am Grill‘ heißt das Dingen und ich habe beschlossen, mir dort ne Currywurst reinzuspachteln, nachdem ich mich erst einmal mit einem Getränk versorgt habe. Also rein in die Hütte und gönn mir ganz neugierig und risikofreudig ein Pale-Ale Bier, das in einer Dose abgefüllt ist, die eher an einen Energy-Drink erinnert. Aber der Druck auf der Dose ist schon geil und passt super zu Metal und Halloween.

Die sehr fruchtige Note des Bieres schlägt sofort durch. Interessant, aber später steige ich dann doch auf ein „normales“ Bier um. Es gibt ja genügend Auswahl im Vinylcafe. Also gehe ich wieder raus und gönne mir ne Currywurst bei Bernd. Und die ist echt ein Leckerchen. Sowohl Wurst als auch die Soße, die schön sämig ist und schön an der Wurst haften bleibt, schmecken hervorragend. Auf Wunsch wird auch noch nachgewürzt. Super Sache! So eine kleine Essensgelegenheit bei einem Event macht immer was her.

Draußen trifft man schon viele bekannte Gesichter, unter anderem Hucky. Ich gehe wieder rein und bewege mich zum Merch-Bereich, wo ich Martin, seine Frau Nina und Lucky treffe. Lucky ist nicht nur Drumm-Master bei seiner Band DARKNESS, sondern auch zertifizierter Merch-Seller. Lucky habe ich schon überall im Pott auf Events getroffen, egal in was für einer Funktion. Er ist auch der Mann für alles. Selten treffe ich ihn als normalen Zuhörer bei einem Gig an. Sehr oft ist er hingegen an einem Merch Stand anzutreffen. Ich denke, dass er auch als Unterstützung bei einem Flohmarkt-Verkauf goldwert wäre. Lustig wäre es auf jeden Fall.

Am Merch-Stand sehe ich das kommende Album Toxic von JADED HEART, was es heute Abend tatsächlich hier exklusiv bei der Show zu kaufen gibt, obwohl es erst im Januar veröffentlicht wird. Das finde ich klasse, denn so etwas könnte Fans sicherlich zusätzlich anlocken, wenn sie bei solchen Events exklusiv Wochen vorher das neue Album der Band erwerben können. Dann erblicke ich das Kraken-Shirt von DEMON DROWNER und es ist um mich geschehen. Das Motiv ist einfach geil und diese kontrastreichen Farben rot und grün kommen megamäßig rüber. Für 20 Tacken wandert das Shirt in meine Hände.

DEMON DROWNER

Jetzt ist es nach 20:00 Uhr und so langsam müsste es losgehen. Und dann ist es soweit. DEMON DROWNER erobern nach und nach die Bretter und scheinen sichtlich gut gelaunt, wie immer halt. Ich mache mir nur Sorgen um Vera, die ja bekanntlich immer sehr aktiv ist und diese kleine Bühne schränkt sie dann doch ein. Ich hoffe, dass sie nicht versehentlich einen ihrer Bandmitglieder mit der Mikrofon-Sense köpft oder von der Bühne kickt. Los geht’s…

Das war doch schon einmal ne gute Warm-Up-Nummer. Vera ist wieder einmal sehr aktiv auf der Bühne unterwegs, so weit der Platz es zulässt. Man merkte ihr merklich an, dass sie verdammt viel Spaß oben auf der Bühne hat. Sie ist DIE Rampensau von DEMON DROWNER. Das muss man einfach mal so sagen. Allein ihre optische Erscheinung ist ne Wucht, mehr Heavy Metal geht nicht. Sie sieht nicht nur wild aus, sie ist auch so.

Die Energie des Auftritts übertrug sich recht schnell auf das Publikum, das zu Beginn noch etwas träge bzw. eingefroren wirke. Aber das änderte sich im Laufe des Auftritts, denn der heiße Auftritt lies das Eis schnell schmelzen und das Publikum taute immer mehr auf. Vera selber bezeichnet den Stil von DEMON DROWNER es scherzhaft als Fusion Metal, so von jedem etwas. Ist natürlich etwas überspitzt, aber trifft es schon ganz gut. Kraftvoller Heavy/Power/Viking Metal, teilweise mit Death Einschlag, denn stimmlich schmettert Vera die gesamte Bandbreite: kraftvolle cleane Vocals, auch mal sanft in höheren Stimmlagen, um dann aber auch mal mit düsteren Growls zu überzeugen. Aber sie macht als Disco-Queen auch ne gute Figur, wie man an dem kleinen Ausschnitt hier sehen kann.

Vera ist halt nicht zu bremsen und auch die Bühne kann sich nicht für lange Zeit bändigen. Wenn es dort zu eng wird, dann steigt man halt mal zu den Fans herab und geht auf Tuchfühlung. So schafft man Fan-Nähe. Zwischendurch gibt es noch eine kleine Schminkeinlage mit dermatologisch unbedenklichen Alt-Öl im Gesicht. So wird den Bandmitgliedern und einigen Fans eine Vikinger-Kriegsbemalung ins Gesicht gezaubert. Der Song „Demon Drowner“ gehört mit zu meinen Lieblingen. Der Song macht richtig Dampf und reißt die Fans voll mit.

Und zum Ende gibt es noch einen Angriff mit zwei Pistolen… aber keine Panik… Vera schießt nur mit Seifenblasen. Sieht cool aus und ist schon witzig. Die harte Metal-Braut mit Seifenblasen im Anschlag. Alles in allem wieder ein sehr gelungener und unterhaltsamer Gig von DEMON DROWNER .

Man könnte meinen, dass die meisten wegen JADED HEART angereist waren, aber die Fanshar von DEMON DROWNER sollte man nicht unterschätzen. Sie sind lokal mittlerweile ein sehr angesagte Band und so waren auch viele Fans vor Ort, die extra wegen DEMON DROWNER gekommen sind, wie ich in einigen Gesprächen erfahren konnte. Viele Fans sind aber auch schlicht wegen beiden Bands gekommen, um sich einen schönen Abend zu machen.

JADED HEART

Also war es jetzt Zeit für JADED HEART. Die Band ist schon lange im Geschäft und sind einfach erfahrene Profis, was man ihnen auch anmerkt. JADED HEART sind handwerklich allererste Sahne. Das wirkt insgesamt sehr routiniert und alles läuft wie am Schnürchen.

Johan Fahlberg ist ohne Frage ein toller Sänger, aber auch der mehrstimmige Gesang mit der Band harmoniert wunderbar. Hört sich alles super an! Mülli am Bass ist ne Bank und Peter Östros an der Gitarre ist ein Gedicht. Die Jungs können natürlich aus dem vollen schöpfen, was ihre Songauswahl angeht, wobei sich die Auswahl aus der Ära von Johan Falberg beschränkte. Die frühen Jahre sind nicht vertreten.

Insgesamt hätte ich mir einige härtere Songs aus ihrem Repertoir gewünscht, so z.B. gab es nur einen Song vom Album Stand Your Ground, nämlich „Reap What You Sow“. Aber was soll’s… ist ja wie immer persönliche Geschmacksfrage. JADED HEART präsentieren sich professionell, zugleich sympathisch und die Fans genießen eine gute Show.

JADED HEART hatten sogar einige Überraschungen parat. Neben den beiden bisher erschienen Singles „We Come Alive“ und „One By One“, gibt es noch „Helldriver“ und „Toxic“ auf die Ohren. Dann servieren sie zum ersten Mal eine gefühlvolle Akustikversion des Tracks „Remembering“ vom Album Guilty By Design aus dem Jahr 2016. So was hat immer einen besonderen Flair, wie ich finde. Das kann man ruhig mal in so ein Song-Set einbauen. Eine weitere Überraschung war dann die Cover-Version eines Hits von Anastacia, der für lockere Partystimmung sorgte. „Paid My Dues“ (2001) heißt er und findet sich auf dem Album Helluva Time von 2005.

So bleibt im Ergebnis festzuhalten, dass es mal wieder ein schöner Abend im Vinylcafe Dorsten war und ich denke, dass jeder Gast ebenso empfunden hat und zufrieden den Nach-Hause-Weg angetreten hat.


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