13.08.2026 Krakau
Mein Wecker klingelt um 07:00 h, aber ich bin schon wach. Langsam packe ich meine Sachen zusammen und gehe leise nach unten. Der Bus ist schon in Krakau angekommen und ich checke, wie es mit Uber ausschaut. Taxis sind gut verfügbar, aber ich bestelle erst mal noch keins. Ich räume alle Sachen zusammen und verstaue die Sachen in den Taschen. Als ich mein Getränk leer habe und mir sicher bin, das ich jetzt nur einen Griff machen brauche um los zu gehen.
Hier mal eine Auflistung der wichtigsten Apps, die man auf Tour auf dem Handy braucht:
Uber: So bescheuert das klingt, aber Uber gibt einem die Sicherheit, an jedem Ort der Welt ein Taxi zu bekommen ohne das Taxifahrer mit dir durch halb Russland fahren, ehe sie am Ziel ankommen. Die Preise von X nach Y sind genau definiert und damit kann man finanziell planen. Für mich auf Tour nicht mehr verzichtbar.
Mastertour: In Mastertour hinterlegt ein fähiger Tourleiter alle Informationen für die Crew und Band. Wann sind wir wo, wann gibt es Essen, wann ist Einlass, wann laden wir aus und wieder ein etc. Jede Information ist hier hinterlegt.
WhatsApp: Hier wird meistens eine Tourgruppe erstellt, in der sich alle miteinander verbinden und Infos reinballern. Ob es zur Kneipe, zum Guitarshop oder sonstwohin geht: Es landet in der Gruppe, damit jeder Bescheid weiß.
Facebook und Instagram: …um für die jeweiligen Shows zu werben etc pp
WetterApp: Jeder kann schauen, wo er morgen am besten Schwitzen kann.
Google Maps: Wo komme ich wie hin… wo ist der Bus jetzt gerade und wie lange kann ich noch im Bett bleiben, bis der Bus am Ziel ankommt? Generell unerlässlich.
Google Translator/ Deepl: Zwei super Übersetzungsprogramme, die in vielen Punkten weiterhelfen können. So habe ich in der Slowakei einem Herrn das Handy an den Mund gehalten und mir das auf Deutsch übersetzen lassen… „Wo sind denn hier die Toiletten in dem Laden und hat der Stand auch nach dem Konzert noch offen?“
Warum der Translator wichtig sein kann, dazu folgt nachher noch etwas mehr. Ich habe per Uber ein Taxi bestellt und es braucht 9 Minuten, bis es eintrifft. Ich kann mich noch bei Christer, unserem Busfahrer, verabschieden. Was der Mann so an Kilometern frisst und sich nie aus der Ruhe bringen lässt: Wahnsinn! Weiterhin hat er jeden Tag ein anderes lustiges Shirt an: „My Penis is bigger than Yours“, „MILF – Man, i love Frogs“ oder „All what you can make with a Pussy“ und Bildern drauf, was man mit Katzen alles anstellen kann… Großartig. Da freut man sich jeden Tag ein neues Shirt bei dem Mann.
Offene Rechnungen
Das Taxi kommt und wir fahren Richtung Flughafen Krakau. Hier nehme ich mir einen Leihwagen. Von Krakau zu fliegen, das wäre extrem teuer geworden und von Warschau war es nur halb so teuer, wie von Krakau. Also ergab es Sinn, dass ich mir einen Leihwagen buchte und von Warschau heimflog. Aber ich hatte die Entscheidung ganz bewusst so gewählt. Gute 2 Stunden Umweg müsste ich fahren um eine alte Geschichte zu erledigen. Als ich den Wagen buche und das zuhause erzähle, ist damit noch viel Unsicherheit verbunden, aber heute ist der Tag der Tage.
Idyllische Landschaften
Ich sitze im Wagen, den ich über Europcar für kleines Geld angemietet habe und fahre los. Es geht über Stock und Stein ins Landesinnere von Polen und der Weg hat keine Bundesstraße oder Autobahn. Ich fahre durch ein wirklich wunderschönes Land und erfreue mich an der vielen Natur. Ich sehe Rehe und Hirsche, Kühe, Ziegen, Hunde und Katzen. Ein kleiner Ort folgt dem nächsten, bis ich am Ziel bin und mir etwas die Knie zittern. Ich steige aus und laufe auf das Gebäude zu. Keine Tür. Komisch. Hier muss doch ein Eingang sein? Nein, ich finde keinen Zugang zum Gebäude. Dann steht ein Herr in einem 9 Sitzer vor mir, der mich fragt, was ich denn Wünsche:
„Ich bin der Martin Sosna von der Firma Merchandise Service und wir arbeiten seit 2019 zusammen. Leider habe ich letztes Jahr einen Job per Vorkasse bezahlt und bis heute weder die Ware, noch eine Antwort dazu bekommen. Ich habe letzte Woche per Mail angekündigt, das ihr irgendwann in dieser Woche bei Ihnen auftauchen würde.„
Nützliche Technik: Der Translator
Es ging um einen 4stelligen Betrag, der offen war und den ich einfach nicht verschenken wollte. Ich habe auf meinem Handy die „Translator“ App an. Der Mann sagt mir, das er nur schlecht englisch reden würde und er müsse kurz telefonieren. Inhalt des Gesprächs war folgender:
„Hörst du, die gottverdammtes Miststück. Du sagtest, dass ein Kunde eine Mail geschickt hätte und vorbeikommen würde. Du wüsstest nicht um was es geht. Er ist jetzt hier und hat einen Laptop in der Hand und wird mir alle Mails zeigen. Es sind viele Mails die er an uns geschrieben hat. Sogar seine Ex-Frau hat in polnisch an uns geschrieben und versucht anzurufen. Du gottverdammtes Miststück, was hast du hier getan? Was tust du meiner Firma an, indem du uns so viel Schande bereitest? Ich kläre das jetzt. Wir kommen auch gleich zu dir!“
Der Mann weiß nicht, dass ich alles mitgehört habe und mir übersetzt wurde. Er schaltet den Wagen aus und steigt aus. Er entschuldigt sich bei mir, denn in Zeiten der Pandemie, hatte ich für mehrere tausende Euro diverse Artikel herstellen lassen. Die Zusammenarbeit war sehr gut, bis zu dem Tag im letzten August, als die zugesagte Ware nicht ankam. Auch danach passierte nichts und Mails wurden gelesen, aber nicht beantwortet. Ich habe die Welt nicht verstanden. Ich war hin und hergerissen und habe es mir so erklärt, das die Firma extrem gewachsen ist und das neue Personal einfach diverse Sachen nicht hinbekommen hat.
Man lernt sich kennen
Der Fall wird aufgearbeitet und wir bleiben am 12.08.2025 stehen. Da riss alle Kommunkation ab und die beiden Mitarbeiter schämen sich zu Tode. Der Auftrag wurde angenommen, aber die Waren wurden nie hergestellt oder versendet. Wäre es die erste Zusammenarbeit gewesen, dann hätte man gleich wieder gedacht: „Typisch… mach was mit Polen und du wirst bestohlen.“
Ich hatte diesen Eindruck aber nie, da ich mit der Firma 5 Jahre lang gut zusammengearbeitet hatte und ich das auch nicht typisch fand. Heute ist der Tag, an dem ich die Firma kennenlerne und den Inhaber gleich obendrauf. Mir wird der Betrieb gezeigt und ich finde das alles sehr spannend. Die Abläufe und was genau wie gehandhabt wird. Für mich ist das immer spannend, wenn ich neue Sachen lerne. Gute 2 Stunden bin ich im Betrieb vor Ort und ich hätte noch viel länger bleiben können. Es fällt mich schwer, mich zu verabschieden, da ich am liebsten noch bleiben und mehr entdecken würde.
Eine Schande & Wiedergutmachung
Am Ende ruft der Inhaber seine Mitarbeiter zusammen und er hält eine Rede:
„Hier ist eine große Schande passiert. Dieser Mann ist aus Deutschland gekommen und seit langer Zeit Kunde von uns. Dieser Kunde wurde von uns beraubt. Er hat Ware bestellt und X hat ihm vorgespielt, als würde er seine Ware rechtzeitig bekommen. Doch der Auftrag ist nie in der Produktion bei euch gelandet. Der Kunde wurde verarscht. Seine Nachrichten wurden nie beantwortet und so wurde über meine Firma Schande gebracht. Ich werde heute Niemanden deswegen feuern, da der Kunde sehr freundlich ist und mit uns weiter zusammenarbeiten möchte.
Ich erwarte aber, dass der Mitarbeiter sich bei euch allen entschuldigt. Ihr seid auch die Firma und unser Name wurde beschmutzt. Es wurde gedacht, dass wir billige Diebe sind, die einfach andere Menschen beklauen. Das Vertrauen in unsere Firma, die unsere Einkommen bezahlt, wurde sehr stark beschädigt. Ich erwarte, dass die beiden Mitarbeiter sich bei euch allen entschuldigen und nur wenn ihr ihnen verzeiht und dazu bereit seid, werden sie ihren Job behalten. Wenn ihr das nicht verzeiht, dann schmeiße ich sie noch heute raus. Ich verabschiede jetzt den Kunden. Die beiden erklären euch genau, was passiert ist und sprechen wir gleich weiter.“
Kurz angemerkt: Ich hatte schon eine Mail an einen der zwei Mitarbeiter geschickt, aber die Mitarbeiter haben das anscheinend nicht verzeihen können. Die Mail hat einen Responder, der sagt, dass Person X nicht mehr im Betrieb tätig ist. Die andere Person ist im Betrieb nach wie vor tätig und hat das außenstehende Geld an mich zurück überwiesen. Ich habe also mein Geld wieder.
Wieder in meinem Bett….
Ich wollte damals schon mit Nina nach Polen fahren mit dem Gedanken, dass wir zur Firma vorbeifahren und dann „Hallo“ sagen würden. Wir könnten auf dem Weg endlich auch mal „Ausschwitz“ besuchen, nachdem wir schon in so vielen Gedenkstätten waren und uns diese noch fehlt. Aber… es war immer zuviel Arbeit auf dem Plan, so dass die Zeit für eine solche Reise bisher gefehlt hat. Heute war es anders und ich bin froh und glücklich, den Weg auf mich genommen zu haben. Um 17.00Uhr sitze ich im Flieger auf dem Weg nach Düsseldorf. Ich bin innerlich sehr aufgewühlt, denn die Tour und auch das Treffen bei meinem Geschäftskontakt waren aufregend. Wie es üblich ist, kommt am Flughafen in Düsseldorf meine Tasche als letztes aus dem Flieger… um 19.40Uhr steige ich zu Nina in den Wagen und wir fahren heimwärts. Kurz noch ein Kleinigkeit zuhause gegessen und ab ins Bett… morgen habe ich Mortal Sin im Kulttempel zu Gast und ich muss fit sein.
Danke, das ihr bis hierher gelesen habt. Es war eine spannende Zeit und natürlich sind einige Geschichten der Zensur zum Opfer gefallen, weil manches… nicht in die Öffentlichkeit gehört. Im Kern habt ihr aber einen guten Überblick über die Tour bekommen.
Bis bald mal…

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