11.08. – Warschau 𝙋𝙧𝙤𝙜𝙧𝙚𝙨𝙟𝙖 𝘾𝙡𝙪𝙗

Gestern war ein sehr privater und intimer Tag.

Wir haben uns viel unterhalten und jeder saß irgendwann am Rechner, weil er Mails beantworten musste. Weiterhin hat mich Joey um Rat zum Stonedead Festival in Groß Britannien gefragt. Irgendwann ging es ins Restaurant und frühzeitig wurde das Licht ausgemacht.

Keine Zwischenfälle bis zum Progresja Club

Als ich wach werde, ist der Bus ca. 40 Minuten vom Club Progresja in Warschau entfernt. Ich putze mir die Zähne und mache mich für den Tag fertig. Heute klappt das auch wunderbar, da die Straßen sehr gut sind und keine Bremsmanöver gemacht werden müssen. Wir kommen am Progresja Club an und es sind schon zig Fans vor Ort, die auf Autogramme und Fotos mit den Bands hoffen.

Aufdringliche Fans-Teil 1

Alle Bands nehmen sich die Zeit und irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, das die Fans das ab einem gewissen Punkt beginnen auszunutzen. Sie werden so anhänglich und aufdringlich, das die Crew in ihrer Arbeit vollkommen missachtet/ignoriert wird. Am Ende rollt dann mein Merchandise Case über den Fuß eines Mädels, das Jeff Loomis am liebsten dazu genötigt hätte, ihr umgehend ein Kind zu zeugen.

NEVERMORE beim Soundcheck
Straßen gut, Fahrstuhl kaputt…oh scheiße!

Es geht in den Club und ob ihr es glaubt oder nicht… seit 2019 wird der Fahrstuhl im Porgresja Club renoviert und er ist immer noch nicht zu benutzen. Demnach heißt es, dass die ganze Kacke gute 2 Etagen und insgesamt 40 Stufen in den Club geschleppt werden muss. Meine Fresse… ich bin keine 20 mehr und habe keinen Arnold Schwarzenegger Führerschein. Ächz…Jammern ist keine Option. Wir haben keine Wahl: was muss, das muss!

Heute herrscht hier im Club „Konzession“. Es gibt Redebedarf!

Was bedeutet das? Man gibt sein Merchandise an ein Team ab, die bereiten es auf und verkaufen es dann. Das ist eine gängige Praxis in vielen Clubs, weltweit. Sobald eine Größe von 1500 Personen erreicht wird, ist so etwas üblich. Im Vertrag steht, das wir entweder eine „Flat Fee“ also ein pauschale Summe bezahlen sollen oder die Ware gegen 20% Gebühr abgeben sollen.

Hmmm… ich frage, was die „Flat Fee“ denn wäre. Die Antwort: „100€ zzgl Steuern“. Ok… ich erwarte bei 1800 Besuchern und ausverkauftem Haus, keine großen Umsätze, da wir nur noch S und M als Größen haben, da das Keep it True Legions für uns der „Burner“ war. Hmmm… meine Frage: „Warum denn 100€ und für was? Was bekomme ich dafür oder wofür ist das Geld?“.

„Also das Geld ist dafür da, das wenn die die Wand beschädigst, das sie renoviert werden kann. Weiterhin ist das auch eine Miete für den Tisch und das sein Platz nachher sauber gemacht wird.“

Antwort: „Ich brauche keine Wand und ich brauche keinen Tisch. Ich habe das alles selbst und meine Mutter hat mir beigebracht, wie man aufräumt. Also das würde ich auch noch hinbekommen.“

Meine „Taktik“ geht auf…

Am Ende ist die Dame von meiner Art und Weise und den Argumenten so entnervt, das sie abwinkt und ich einfach so verkaufen darf. Ich baue meinen Stand auf, zähle meinen Kram und bin so fix fertig, das ich noch gemütlich Essen gehen kann. Hurra. Beim Essen werde ich freudig überrascht, denn die Polen haben wie immer eins der besten Essen auf der Tour. Ich freue mich auf Piroggen und Hähnchenfleisch mit Erben und Möhren. Es ist so lecker, das ich am liebsten Nachschlag nehmen würde, aber der Blick auf die Hüfte sagt: Lass das sein! Das muss nicht.

Merchverkauf läuft super!

Um 17.00Uhr gehen heute die Türen auf und ich habe meinen Job gemacht. Die Preisschilder sind alle entfernt worden und die neuen Preise sind alle in Zlotys aufs Banner gebracht. Dazu der Hinweis: „American Sizes“. Sprich… die kleinen Shirts sind groß. Kleiner psychologischer Trick, der aber sehr viel hilft, da wir tatsächlich einen sehr guten Umsatz haben. Die Schallplatten sind heute ausverkauft. Das „Knight“ Shirt ist auch ausverkauft… ansonsten nur noch das Soccer Shirt in M, Emotion Tour T-Shirt auch nur noch in M am Start… puuuuh… das ist gut gelaufen für ARMORED SAINT.

Der Abend läuft gut und ARMORED SAINT legen anscheinend eine supergute Show auf die Bühne, da ich danach, etliche Fans am Stand habe, die total begeistert sind und mir das Vinyl und die CD´s aus den Händen reissen. Das Vinyl geht so schnell weg, das ist absoluter Wahnsinn. Bis auf 2CD´s, sind wir auch hier ausverkauft.

Ein Ohr für NEVERMORE und SAVATAGE

Ich kann vom Foyer aus die Bands hören und gehe in meinem Stand auf die rechte Seite. Da die Tür aufsteht, kann ich auch die Bands etwas sehen. Nevermore machen die Sache richtig gut. „Inside 4 Walls“ ist wirklich ein Brett von einem Song und der neue Sänger bringt das wirklich arschgeil rüber. Was mich nur etwas stört ist, das die „neuen“ Leute neben Drummer Van und Klampfer Jeff Loomis recht statisch rüber kommen.

Das ist bei Savatage ganz anders. Ein totaler Triumphzug der Band. Als sie am Ende „Hall of the Mountain King“ spielen, kennt die Begeisterung keine Grenze mehr und die Fans rasten völlig aus.

Aufdringliche Fans-Teil 2

Was ich hier erwähnen möchte, ist der Umstand, das unser Basser Joey von einem penetranten Fan bedrängt wird und das sehr intensiv wird. Unser Tourmanager fordert ihn mehrfach auf, etwas zurück zu gehen und Respekt zu haben. Das scheint einige Male so zu gehen und dann wird das „Problem“ aus Mangel an Respekt anderweitig in die Schranken gewiesen. Als ich am Bus ankomme, sitzt dieser „Fan“ auf der Strasse und die Polizei ist da. Unser Tourmanager sagt auch der Polizei, das der Fan unangemessen aufdringlich gewesen sei und er ihn mehrfach vergeblich gebeten habe, einen Schritt zurück zu gehen. Nach einer kurzen Debatte fährt das Auto ab und nimmt den „Fan“ mit. Gratis Taxi sozusagen.

Der Zaubertrick

Als alle mich fragen, wie ich mein Case denn von oben aus der Halle bekommen hätte, erzähle ich die hanebüchene Geschichte, dass ich es alleine getragen hätte. Gute 40 Stufen mit knapp 200kg Gewicht… schaut euch mal den Kraftakt auf dem folgenden Video an.

Danke, das ihr bis hierhin gelesen habt, Der letzte Tag in Kosice folgt in den nächsten Tagen, da es hier extrem stressig ist.

Bis bald… wir lesen uns…


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