Ich freue mich auf das Alcatraz Festival in Belgien,
denn es ist eins der wenigen Festivals, das ich sehr gerne Besuche und auch gerne zu Gast bin. Es ist wie in Wacken: Jeder weiß hier im Background, was er da tut. Nichts ist dem Zufall überlassen und ich versuche mich dem ganzen anzupassen. Meine Merchlieferung war dezent ein Karton an Ware basierend auf den Stückzahlen von vor 2 Jahren. Auf diese haben ich 30% aufgeschlagen, da unser Spielplatz jetzt später und besser ist= Wir sind auf der Hauptbühne nach Dirkschneider und vor Body Count.

Erfahrung und Planung
Ich sehe wie Bands Kistenweise Merchandise zum Stand schleppen und ein zählen lassen. Ich sehe auch, wie sie am Ende des Tages wieder kistenweise ihr Merchandise vom Gelände runter schleppen. Meine eigene Rechnung geht auf. Ich bekomme soviel Ware zurück, das ich diese in eine Tragetasche packen kann. Vollkommen klasse. Einige Leute blicken mich komisch an, aber der „Head of Sales“ mit Namen Kevin meint: „That was on the point. Wish more people would act like you“.

Ich bereite alles basierend auf Zahlen vor und rechne immer „per Head“, weswegen ich auch die genauen Zahlen von den Besucherzahlen im Vorfeld und tagaktuell brauche. Einige Menschen verstehen das nicht, aber wenn man sich mit Mathe auskennt, dann lernt man irgendwann, das es feste Zahlen gibt, mit denen man arbeiten kann. Man weiß, was an Merchandise in etwa gebraucht wird. Das schlimmste ist, wenn man die Zahlen nicht im Griff hat und für die Bands zu viel produziert. Zu wenig ist schon manchmal besser, als wenn du mit drei vollen Kartons am Ende der Tour, wieder zurück kommst.
Auch nicht verkaufte Ware muss am Ende bezahlt werden. Es gibt da inzwischen auch ein paar Firmen, die sich drauf spezialisiert haben, etwaige Tour Reste zu übernehmen und sie auf anderen Festivals zu verkaufen, aber am Ende läuft man als Band Gefahr, dass die Sachen in einer Art „Ramschkiste“ landen und für 5€ an den Mann gebracht werden. Das sorgt dann häufig bei Fans für Unmut, da sie auf dem Konzert 30€ oder mehr, für das Merchandise bezahlt haben.
Das Alcatraz steht für das Beste Essen auf der gesamten Tour.
Hier wird dir als Musiker wirklich alles geboten. Vom Steak, über Rippchen, Fisch und Salat… Eiscreme, Snacks, Kuchen… wirklich alles. Wer hier nichts zu essen findet, dem ist echt nicht mehr zu helfen. ARMORED SAINT haben heute zig Verpflichtungen, denn die Jungs haben es auf die Titelseite vom „Rock Tribune“ Magazin geschafft und das erzeugt Begehrlichkeiten bei der Presse und diversen Radiosendern, die alle vom Alcatraz berichten.
Freunde treffen
So sind vorwiegend John und Joey von einem Termin zum anderen unterwegs. Die Crew teilt sich auf. Ich habe heute „Notdienst“ und einen Teil quasi durch den Versand vom Merchandise bereits erledigt. Ich nutze den Tag und treffe viele Freunde und Bekannte auf dem Alcatraz und leider treffe ich auch viele Leute nicht. Ich treffe aber den Matthias Lotz von der Metalbörse bzw. Capricorn Rockwear. Wir sitzen eine Weile zusammen und plauschen miteinander. Inzwischen kenne ich Matthias seit 25 Jahren und wir haben ein wirklich freundschaftliches Verhältnis miteinander entwickelt.
CapricoRn Rockwear und Capricorn Cockwear
Matthias hat inzwischen seine Marke Capricorn am Markt etablieren können und hat hier einen großen Stand mit vielen geilen Klamotten und diese finden reißenden Absatz. Mit Matthias bespreche ich auch, das wir demnächst für ARMORED SAINT und auch vielleicht für die John Bush plays Anthrax solche Jacken machen lassen. Ich nehme aus Spaß ein paar Kondome mit der Aufschrift „Capricorn (C)ockwear“ mit und verteile sie an die Bandmitglieder mit dem Hinweis, dass ich nicht wüsste, was sie heute Abend noch so vorhätten.
John brüllt mich an mit: „Ich bin ein glücklicher und verheirateter Mann“… ich nur: „Na und… man kann das Spiel auch alleine spielen“. Ebenso ist Joey sein Frau Tracy da und ich schiebe den beiden ein Kondom zu mit dem Kommentar: „Habt einen schönen Abend, aber seid sicher“… lautes Gelächter.

Man merkt, dass ich ein wenig bescheuert bin,
und die Jungs haben sich inzwischen an meinen Humor gewöhnt. Gonzo und Phil bewundern meinen Maiden Zipper von Capricorn und ich erkläre ihnen, wo der Stand ist… beide sind kurze Zeit später vor Ort und von den Sachen völlig begeistert. Ich glaube, dass es da im nächsten Jahr eine recht geile und streng limitierte Jacke geben könnte. Die Eisen liegen auf jeden Fall im Feuer.
Ein voller Erfolg
Da ich heute wirklich nichts zu tun habe, gehe ich mit dem Handy und meinem Selfie Stick auf die Bühne und filme die Jungs beim Warm Up. Die Jungs haben Bock und Belgien hat Bock auf die Jungs. Es gibt ein 60 Minütiges Feuerwerk bester amerikanischer Metalmusik und die Leute nehmen das sehr dankbar auf. Setlisten findet ihr im Netz. Die Band wird nach der Show von der Bühne zum Backstage „geschüttelt“ und kurz danach kommt der Van zusammen mit Ice T von Body Count zurück.
ICE T mit Body count

Ich hatte mir eigentlich ein gemeinsames Foto mit Ice T vorgenommen, aber als ich sehe, was da an Menschen plötzlich auf ihn zu rennen, überdenke ich meine Idee und entscheide mich dagegen. Ich bleibe oben im Loading Dock zur Bühnenseite stehen und Ice T kommt sehr entspannt rüber in Richtung des Docks. Es folgt ein sehr freundliches „Hi, how are you?“ und ein kurzer Smalltalk.
Dann verschwindet Ice T hinter dem Vorhang und macht sich für die Show bereit. War der Platz zuvor schon gut gefüllt: Jetzt geht gar nichts mehr. Scheinbar haben nicht wenige Leute richtig Bock auf Body Count. Gefühlt ist hier schon fast mehr los, als es bei Savatage der Fall ist. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt und Body Count werden mächtig abgefeiert.
Ich muss zugeben, dass ich der Band beim warm machen zugeschaut habe und das ich wirklich tief von dem Können der Bandmitglieder beeindruckt bin. Die Musik wird gelebt und auch zelebriert. Wenn du nach „Body Count’s in da House“ gleich mit „Raining Blood“ weitermachst, dann kannst du sicher sein, das der Mob da draußen den Platz zerlegt. Die Stimmung ist gleichbleibend hoch, dreht aber zum Schluss nochmal richtig auf, als „Disorder“ von The Exploited gecovert wird, dann „Talk Shit, Get Shot“ ins Publikum abgefeuert wird. Damit der komplette Wahnsinn herrscht, hauen die Herrschaften „Cop Killer“ raus und ich schwöre euch… die Leute rasten vollkommen aus!

ARMORED SAINT gehen sich Savatage anschauen, aber mein Headliner hat gerade gespielt und mir reicht das. Savatage habe ich am Sonntag noch in Geiselwind zu sehen. Das brauche ich heute nicht. Ich gehe lieber duschen und greife alles, was ess- oder trinkbar ist, und bringe es in den Bus. Ich bin auch sehr schnell im Bett verschwunden, da ich mein Buch weiterlesen möchte und ich mich etwaiger Party-Mechanismen entziehen möchte. Ich stecke mir Ohrstöpsel in die Ohren und bin in meiner eigenen Welt abgetaucht. Gute Nacht da draußen und bis morgen…

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