Böse Überraschung: Ungebetene Gäste in der firma
Abreisetag 28.07.2026 in Essen

Heute ist Abreisetag in Essen, doch alles kommt erst mal anders. Ich fahre ins Lager/Büro, um dieSachen zu packen und bin erschrocken. Im Lager ist alles aus Kisten rausgerissen und überall liegen Sachen rum. Der Vorhang, der Büro und Zugang zu Lager trennt, ist aufgerissen und es wirkt alles total chaotisch. In dem Moment taucht ein Mitarbeiter auf, der mich fragt, ob ich schon angerufen wurde? Nein, wurde ich nicht!

Was ist passiert???

Mitten in der Nacht haben sich Fremde Zugang zur Halle/Büro verschafft, in dem sie ein ca. 15cm kreisrundes Loch in die Scheibe geschlagen haben und somit das Fenster öffnen konnten. Die Alarmanlage schlug sofort an und wir wurden alle alarmiert. Da aber alle im Glauben sind, das ich schon auf Tour bin und daher das Handy ausgeschaltet habe, bekomme ich als letztes die News mit und bin demzufolge total geschockt, als ich im Betrieb ankomme. Der Schock braucht auch eine Weile und demnach checke ich, wann unsere genaue Abfahrtzeit sein wird.

Das Chaos nimmt seinen Lauf

Wurde etwas geklaut? Wenn ja, was? Oh Schreck… erstmal alles durchschauen. Aufräumen soll ich nicht, denn die Spurensicherung hat den Tatort noch nicht freigegeben. Mein Merchcase und Zeug darf ich aber einladen. Um 22.00Uhr soll der Bus nach Kopenhagen rollen. Tut er aber nicht. Ich bin pünktlich am Bus, lade alles ein, als die Nachricht kommt:

„Wir können nicht eine Nacht vorher am Club parken. Wir müssen komplett anders planen.“

Statt in der Nacht loszufahren und den Staus zu entgehen, stehen wir die Nacht über in Essen und können erst am Mittwochmorgen losfahren. Alle Pläne ändern sich und wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Die Band war mit den anderen Crewjungs schon essen, während ich mein letztes Dinner mit Nina zu mir genommen habe. So ergibt sich die Chance, die anderen Jungs kennen zu lernen und etwas Konversation zu halten.

𝐂𝐨-𝐇𝐞𝐚𝐝𝐥𝐢𝐧𝐞𝐫 𝐒𝐡𝐨𝐰 𝐦𝐢𝐭 Metal Church 𝐢𝐧 𝐊𝐨𝐩𝐞𝐧𝐡𝐚𝐠𝐞𝐧

Die Band verschwindet ins Bett und ist dankbar für den Schlaf, da wir morgen den gesamten Tag im Bus verbringen werden. Bis nach Kopenhagen ist ein langer Weg und ich werde ihn nutzen, um die Mails vom heutigen Tag abzuarbeiten und etwas Inkasso für meine Firma zu betreiben. Was schade ist: Wären wir einen Tag eher in Kopenhagen gewesen, dann hätten wir den Laden von Michael Denner (King Diamond) besuchen können. Der steht immer noch auf meiner ToDo-Liste, aber es gibt auch schlimmeres.

Unsere erste Show wird übrigens eine Co-Headliner Show mit METAL CHURCH sein. Da bin ich sehr gespannt drauf, da ich das neue Album mit Brian Allen am Gesangmegastark finde. So… wir haben jetzt 01.00Uhr in der Nacht. Ich gehe dann mal schlafen. Ich muss langsam wieder in diesen Tourblues rein finden. Im Grunde ist mein Leben ja recht gesittet, aber das Tourleben sieht dann eher so aus, das ich länger schlafe, da ich Nachts sehr lange wach sein werde. Also… die Umstellung wird bestimmt ein paar Tage dauern.

Mittwoch, der 29.07.2026
Schlechte Neuigkeiten

Heute muss ich mal anders anfangen. Mit etwas privatem. Ich hatte gedacht, das im Betrieb nichts gestohlen wurde. So war es auch. Am nächsten Tag klingelt mein Telefon:

Hast du den Bus genommen, um Ware wegzubringen, Martin?“

Nein, wir sind im Bus auf dem Weg und kurz vor Hamburg. Ich bin seit gestern auf dem Nightliner und wir konnten nicht losfahren. Wieso?“

„Ja, weil ich schon bei der Polizei sitze und wir uns gedacht hatten, das du den Bus wohl nicht haben wirst. Wayne sagte etwas von „der ist schon auf Tour“. Die sind nochmal nach der Nachtschicht zurückgekommen und haben sich den Bus gekrallt.

Da war der Transporter weg. Was ein Mist. Ich plane sofort um, da wir den Bus in spätestens 3 Tagen für eine große Auslieferung benötigen. Ich versuche einen anderen zu buchen… was aber nicht klappt. Ich gebe entnervt auf. Es sind Ferien und ich möchte keine 600 Euro/netto für eine Karre bezahlen. Wir sitzen den ganzen Tag im Bus und ich habe etwas schlechte Laune. Das bessert sich durch einen familiären Anruf.

Der Brummschädel

Kennt ihr von Kings X den Song „Over my Head“? Der Refrain ist ja „I hear music… music music… i hear music over my head“… genau den Song geht mir durch den Kopf, als ich mit dem Schädel gegen eine Box im Bus knalle. Die Jungs von ARMORED SAINT sind gefühlt alle 1,50m groß und ich gefühlt 2,0 m…Danke auch! Es scheppert und jeder der unten in der Lounge sitzt, bekommt es auch mit. Blut läuft. Nach dem gebrochenen Handgelenk im Mai und der fetten Brandwunde vor gut 3 Wochen, ist das auch so eine Sache, die ich überhaupt nicht brauchen kann.

John Bush als Sanitäter

Mir wird kotzschlecht. Ich muss mich erstmal fangen. Schon ist John Bush zur Stelle und versorgt mich mit Material und einer Wundstopp-Creme, die er immer am Start hat. Ganz ehrlich… das hat gesessen… aber von John Bush medizinisch versorgt zu werden… wer kann das schon von sich behaupten.

Zeit für Bücher

Wir kommen an der Fähre an und es wird eine sehr entspannte Überfahrt nach Dänemark. Von dort ist es nochmal eine endlos lange Zeit im Bus. Ich fange an, „Your Heaven – My Hell“ von Mille Petrozza zu lesen. Mein Gott, wie geil dieses Buch schon ist. Ich merke immer mehr, warum mir Mille schon immer so sympathisch war. Ich habe viele Menschen in diesem Geschäft kennengelernt und es waren auch sehr viele komplizierte und, sagen wir mal, Arschlöcher dabei. Wenn ich eine Person wirklich richtig liebe, dann ist es Mille. Wann immer Mille mir die Chance gab, ihn in Essen zu treffen, war es stets eine tolle und wirklich lehrreiche Zeit.

Mille hat zu vielen Dingen eine sehr gute Einstellung und einen moralischen Kompass, der auch damals dafür gesorgt hat, dass wir uns geschäftlich getrennt haben und es in beidseitigem Einvernehmen war. Das Buch frisst mich auf und es ist das zweite Mal, dass Herr Rene Weltjen mir einen goldrichtigen Tipp gab.

Das Buch von Peavy und seiner Geschichte zu Rage ist ebenso genial. Wir kommen in Kopenhagen am Pumpehuset an und hier steppt der Bär. Die Leute sind in Partylaune und es laufen fluffige Techno-Beats aus den Boxen. Die Band fragt, wer Bock auf einen Spaziergang hat.

Meine Frau wäre jetzt stolz auf mich. Ich bin dabei. Wir laufen quer durch Kopenhagen und suchen krampfhaft etwas zu essen. Nach knapp einer Stunde sind wir wieder am Bus und die Jungs bemühen ihre Handys. Doch ich bin weg und verabschiede mich:

„Wisst ihr was, ich habe gar keinen Hunger. Ich gehe in den Bus und lege mich ins Bett“.

Genauso kommt es. Ich liege noch nicht richtig im Bett und schlafe komplett tief weg.


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